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22.03.13

Reise in die Lausitz: Der "braunen Spree" auf der Spur

Die Verockerung der Spree verursacht in der Lausitz massive Umweltschäden, die sich immer weiter ausweiten. Aufsteigendes Grundwasser schwemmt Eisen aus ehemaligen Tagebauen in die Spree bzw. ihre Zuflüsse. Der Eisenocker verwandelt das Wasser in eine braune Brühe, die inzwischen das Biosphärenreservat und Tourismusziel Spreewald erreicht hat. Sich ablagernder Schlamm zerstört in vielen Gewässern bereits Flora und Fauna. Aus aktiven Lausitzer Tagebauen gelangt zudem gesundheitlich bedenkliches Sulfat in die Spree, von der die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen ab-hängt. Zwar läuft ein erstes Notprogramm an. Doch ist bereits klar, dass Brandenburg auch mit dieser Folgelast der Kohleförderung noch lange wird kämpfen müssen. Und, dass es mehr als unverantwortlich wäre, jetzt auch noch neue Tagebaue aufzuschließen.

Am Freitag, den 22. März, machten sich die Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger und Sächsischen Landtag im Rahmen einer Pressereise vor Ort ein Bild von Entstehung und Ausmaß der Schäden, trafen Betroffene und redeten mit Experten über Auswege.

Tagebau Welzow-Süd – Blick auf den Grund allen Übels

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion

Mondlandschaft bei Welzow: Vattenfall frisst sich durch die Lausitz

Die aktuelle Problematik der Verockerung und Sulfatbelastung zeigt, dass der Braunkohleabbau in Brandenburg und Sachsen massive Umweltprobleme nach sich zieht, die eine ganze Region gefährden und auch noch die nachfolgenden Generationen belasten wird. Für die bündnisgrünen Fraktionen ist dies ein Grund mehr, sich für einen mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung stark zu machen und den Aufschluss neuer Braunkohletagebaue strikt abzulehnen.

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion

Isabell Hiekel vom Aktionsbündnis Klare Spree gab eine Einführung in die Problematik Verockerung und Sulfatbelastung

Für den Braunkohlebergbau in der Lausitz ist eine massive Grundwasserabsenkung erforderlich, damit die Abbaugruben nicht geflutet werden. Mit dem jetzigen Grundwasserwiederanstieg durch die Stilllegung alter Tagebaue werden die Verwitterungsprodukte ausgewaschen und gelangen in die Gewässer der Lausitz bzw. in die Spree. Das gelöste Eisen flockt anschließend in den neutralen Gewässern in Form von Eisenhydroxid (sogenanntes Eisenocker) aus.

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion

Klaus Zschiedrich, Leiter Ingenieurbereich Sanierung, Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) stellte im Spremberger Gasthaus zur Post das Maßnahmenkonzept des Bergbausanierers vor

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag stimmt in weiten Teilen dem Maßnahmenpaket der LMBV zu, z.B., wenn es um die Wiederinbetriebnahme von Grubenwasserreinigungsanlagen oder die Schlammberäumung von stark belasteten Gewässerabschnitten geht. Prioritäre Kriterien bei der Maßnahmenwahl müssen aus ihrer Sicht die schnelle Wirksamkeit und die Umweltverträglichkeit sein. An der Kostenintensität dürfe die Auswahl geeigneter Maßnahmen nicht scheitern, zudem müsse sich auch Vattenfall als Mitverursacher des Problems umfassend an den Kosten beteiligen. Beide Fraktionen fordern zudem, dass Subventionen des Braunkohletagebaus abgeschafft werden und die Braunkohleunternehmen angemessene Wasserentnahmegebühren zahlen.

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion

Braune Spree an der Talsperre in Spremberg

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag setzt sich dafür ein, dass die Vorsperre Bühlow an der Talsperre Spremberg ertüchtigt wird. Mit dieser mittel- bis langfristigen Maßnahme könnte nach einem Gutachten des Brandenburgischen LUGV der Rückhalt des Eisenockers weiter gesteigert werden

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion

Auf der Kaimauer der Talsperre Spremberg

Das Augenmerk darf jedoch nicht nur auf der Verockerung liegen. Die Sulfatbelastung, auch wenn nicht sichtbar, ist ein weiteres massives Problem und bedeutend für die Trinkwasserversorgung von Berlin und Frankfurt (Oder). Die bündnisgrüne Fraktion fordert die LMBV auf, auch biologische Klärmaßnahmen zu erproben, bei denen Eisen und Sulfat wieder in Pyrit umgewandelt werden. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei hat hier bereits erfolgreiche Tests durchgeführt. Insgesamt entsteht der Anschein, dass die Maßnahmenkonzepte gegen die Sulfatproblematik noch nicht sehr weit fortgeschritten sind. Das muss sich dringend ändern.

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion

Herr Helmut Donath vom Tourismusverein Luckau stellt die Maßnahmen der LMBV vor, wie der verockertes See „gereinigt“ werden soll

Kritik äußerte die Fraktion an den vorgesehenen Maßnahmen am Schlabendorfer See. So ist angedacht, verockertes Wasser aus dem Schlabendorfer See in den Lichtenauer See überzuleiten, der Schlabendorfer See drohe sonst überzulaufen. Der Lichtenauer See bei Lübbenau ist jedoch Naturschutzgebiet, Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzgebiet. Die bündnisgrüne Fraktion lehnt derartige Maßnahmen ab, die dazu führen, dass neue Gewässer belastet werden. Wir sehen hier eine Verschiebung des Problems auf Kosten der Umwelt.

Pressereise zur Braunen Spree © Fraktion
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Auch Folge des Tagebaus und des Grundwasseranstieges: Der Hafen am Schlabendorfer See darf nicht betreten werden.

Fazit: Die Verockerung der Spree verursacht in der Lausitz massive Umweltschäden

Die Verockerung der Spree verursacht in der Lausitz massive Umweltschäden und bedroht den Tourismus als wichtige Einnahmequelle der Region. Gutachten zeigen, dass die Konzentrationen von Eisen und Sulfat in den betroffenen Gewässern in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind und weiter zunehmen werden. Um Schlimmeres zu verhindern, muss deshalb unverzüglich das Maßnahmenpaket gegen die Verockerung und Sulfatbelastung der Gewässer umgesetzt werden. Die beiden Landesregierungen von Sachsen und Brandenburg und die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) müssen hierbei an einem Strang ziehen. Maßnahmen gegen die Spreeverockerung dürfen jedoch nicht zu neuen Umweltschäden führen. Die Verockerung und Sulfatbelastung der Spree sind weitere negative Folgeerscheinungen des Braunkohletagebaus in Sachsen und Brandenburg. Sie machen einmal mehr deutlich, dass der Aufschluss neuer Tagebaue in der Lausitz nicht zu verantworten ist.