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13.09.16

Gefährdet die Erdgasförderung unser Trinkwasser?

Fachgespräch zu Lagerstättenwasser und Bohrschlamm aus der Erdgasförderung – Ist unser Trinkwasser gefährdet am 13.9.2016 in Lübben © ideengruen.de/Markus Pichlmaier
Dipl.-Ing. Bernd Ebeling referiert beim Fachgespräch zu Lagerstättenwasser und Bohrschlamm aus der Erdgasförderung – Ist unser Trinkwasser gefährdet am 13.9.2016 in Lübben © ideengruen.de/Markus Pichlmaier
Dipl.-Ing. Bernd Ebeling, Foto: ideengruen.de/Markus Pichlmaier
Ralf Irmscher (Bürgermeister Münchehofe) referiert beim Fachgespräch zu Lagerstättenwasser und Bohrschlamm aus der Erdgasförderung – Ist unser Trinkwasser gefährdet am 13.9.2016 in Lübben © ideengruen.de/Markus Pichlmaier
Ralf Irmscher (Bürgermeister Münchehofe), Foto: ideengruen.de/Markus Pichlmaier
Dipl.-Ing. Bernd Ebeling, Benjamin Raschke, MdL und Ralf Irmscher beim Fachgespräch zu Lagerstättenwasser und Bohrschlamm aus der Erdgasförderung – Ist unser Trinkwasser gefährdet am 13.9.2016 in Lübben © ideengruen.de/Markus Pichlmaier
Foto: ideengruen.de/Markus Pichlmaier

Bei einem Fachgespräch in Lübben zur geplanten Förderung von Erdgas in der Region rund um den Spreewald kritisierte unser umweltpolitische Sprecher Benjamin Raschke die Informationspolitik  der Landesregierung: Anwohner und Kommunen werden mit ihren Fragen über die Auswirkungen der geplanten Förderung alleine gelassen. Derzeit sind rund um den nördlichen Teil des Biosphärenreservats Spreewald drei Projekte zu Förderung von Erdgas und Erdöl im Gespräch. Unternehmen wie CEP in Guhlen, Bayerngas in Beeskow und Engie Märkisch Buchholz planen die fossilen Rohstoffe aus der Erde zu holen. Es geht nicht darum Projekte zu verdammen oder schönzureden. Die Menschen haben jedoch ein Recht umfassend zu erfahren, was vor ihrer Haustür geplant wird.

Der Wasserbauingenieur Bernd Ebeling aus der niedersächsischen Erdgasförderregion Uelzen bestätigte die Vermutung: Energiekonzerne haben kein Interesse daran den Menschen vor Beginn von Förderprojekten über die möglichen Gefahren aufzuklären. Heute, nach über zwanzig Jahren der Förderung werden die negativen Auswirkungen immer sichtbarer. So treten in den Förderregionen in Niedersachsen oder in der Altmark häufiger Erdbeben auf. Auch gebe es in den Regionen erhöhte Krebsraten oder mit Quecksilber verseuchte Böden: Mit dem heutigen Wissen, hätte es keine Zustimmung von Landbesitzern und den Gemeinden gegeben.

In Münchehofe (Dahme-Spreewald) regt sich massiver Widerstand gegen die Pläne des französischen Konzern Engie bei Märkisch-Buchholz Erdgas zu fördern, erklärte der Bürgermeister Ralf Irmscher. Niemand habe bislang erklären können, warum es unabdingbar ist minderwertiges Erdgas mitten im Naturpark gefördert werden soll.  Eine Genehmigung der Erdgasaufbereitungsanlage im Naturpark Dahme-Heideseen vor den Toren des Spreewaldes bedarf explizit einer Ausnahmegenehmigung durch das Landesbergamt. Die Landesregierung schweigt sich aber aus, unter welchen Rahmenbedingungen eine Ausnahme erteilt werden kann.

Auch bei den möglichen Bohrschlammgruben aus DDR-Zeit im Raum Märkisch-Buchholz wird die Region alleine gelassen. In Münchehofe will man wissen, was alles im Boden lagert. Von Seiten der Landesregierung erklärte Minister Albrecht Gerber (SPD) im April diesen Jahres lapidar: „Der Landesregierung liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Bohrschlammgruben im Land flächig kontaminiert sind.“ Der Minister bestätige jedoch, dass es auch Verdachtsfällen in Brandenburg gibt.

Eine Bodenprobe die vor einigen Wochen entnommen wurde, lieferte erste Indizien für eine Verunreinigung. Der Umweltpolitiker Raschke kündigte in Lübben an, die von der Landesregierung Aufklärung und vollständige Information der Bürger zu verlangen. Naturpark und Biospärenreservat Spreewald sind kein Platz für eine Erdgasförderung. Es ist noch völlig unklar, wie Anwohner und die sensiblen Schutzgebiete vor den Störfallrisiken der Erdgasförderung geschützt werden sollen.

>> Mündliche Anfrage „Entsorgung giftiger Förderabfälle der Öl- und Gasindustrie auch in Brandenburg“ und Antwort der Landesregiergung