Direkt zum Inhalt springen
Zum Inhalt springen
27.01.16

Flugabgase und Ultrafeinstaubbelastung am BER

Programm:

Begrüßung: Axel Vogel, Fraktionsvorsitzender

Einführung: Benjamin Raschke MdL

Präsentationen zum Herunterladen:

Herr Schwämmlein hat noch einen weiteren Bericht zur Verfügung gestellt: FRAport - die dominierende Feinstaubpartikelquelle im Rhein-Main-Gebiet (pdf-Datei)

Während die klimaschädigende Wirkung von Flugabgasen seit längerem gut erforscht ist, rückt deren unmittelbare Wirkung auf die menschliche Gesundheit erst in der neueren und neuesten Forschung in den Fokus. Dabei zeichnet sich ab, dass Ultrafeinstaub, der durch Flugzeugtriebwerke im Übermaß ausgestoßen wird, eine wichtige Rolle spielt. - Anlass für unsere Fraktion, sich im Gespräch mit Experten über den Sachstand zu informieren und auszutauschen. Das Interesse an unserer Veranstaltung zum Thema Ultrafeinstaub Ende Januar in Eichwalde war groß. Rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele Fachleute, Ärzte, Bürgerinitiativen und Betroffene, waren der Einladung der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gefolgt, die Alte Feuerwache war bis zum letzten Platz besetzt.

Bislang wird von der Luftverkehrsbranche und den Behörden kommuniziert, die Schadstoffbelastung im Bereich der Flughäfen sei keine andere oder bedenklichere als im gewöhnlichen städtischen Umfeld. Alle Grenzwerte würden eingehalten. Übereinstimmend mit Forschungsergebnissen aus Los Angeles, Kopenhagen und Amsterdam haben jetzt aber Messungen von Wolfgang Schwämmlein, Sprecher der AG Feinstaub, Bündnis der Bürgerinitiativen im Rhein-Main-Gebiet, aus Mainz ergeben, dass rings um den Frankfurter Flughafen eine stark erhöhte Belastung durch Ultrafeinstaub besteht. Herr Schwämmlein konnte den Flugverkehr eindeutig als Quelle des Ultrafeinstaubs identifizieren (pdf-Datei).

Prof. Rottmann von der TU München-Weihenstephan machte deutlich, dass gerade moderne Triebwerke mit einer effizienten Treibstoffverbrennung eine unvorstellbare Menge an Ultrafeinstaub ausstoßen (pdf_Datei). Diesem Umstand tragen die derzeit eingesetzten Messstationen keine Rechnung. Sie ermitteln die Menge der ausgestoßenen Partikel durch Wiegen. Bei Ultrafeinstaub handelt es sich jedoch um derart kleine Teilchen, dass sie, im Sinne des Wortes, kaum ins Gewicht fallen, obwohl sie zahlenmäßig 90% der ausgestoßenen Partikel ausmachen. Die Ultrafeinstaubbelastung kann nur durch Zählen der Teilchen angemessen ermittelt werden. Eben das leisten die Messungen von Herrn Schwämmlein.

Zu den Tücken des Ultrafeinstaubs gehört, dass die gigantische Zahl der Teilchen insgesamt eine riesige Oberfläche besitzt. An diese Oberflächen sind viele giftige Substanzen aus den Flugabgasen gebunden. Prof. Behrbohm, Chefarzt der Abteilung HNO der Park-Klinik Berlin-Weissensee, erläuterte deren Wirkung auf den menschlichen Organismus (pdf-Datei). Durch sie können Schäden direkt in der Lunge hervorgerufen werden. Die Partikel können wegen ihrer geringen Größe aber auch durch die Lunge ins Blut und damit in den ganzen Körper gelangen und dort die unterschiedlichsten Krankheitsbilder wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Allergien hervorrufen.

Erschwerend kommen folgende Umstände hinzu: Ultrafeinstaub ist langlebiger als bislang angenommen. Durch die Wirbelschleppen der Flugzeuge wird er in den bodennahen Bereich hinabgedrückt, wo er tagelang in der Schwebe bleiben kann. Durch wetterbedingte Luftbewegungen wird er zudem deutlich weiter verfrachtet als bisher bekannt. In Los Angeles ist die Ultrafeinstaubbelastung noch in 20 km Entfernung vom Flughafen (in Windrichtung) um das 4- bis 6-Fache erhöht. In Amsterdam hat man noch in 40 km Entfernung den doppelten Feinstaubwert gemessen. Die Messungen von Herrn Schwämmlein in Frankfurt haben zu ähnlichen Ergebnissen geführt.

In Brandenburg beruft man sich derzeit darauf, dass es keine Grenzwerte für Ultrafeinstaub gebe. Deshalb müsse die Ultrafeinstaubbelastung auch nicht gemessen werden. Im Bereich des Frankfurter Flughafens ist man einen Schritt weiter. Herr Schwämmlein konnte das Land Hessen durch seine Arbeit davon überzeugen, eigene Messungen vorzunehmen. Dies müssen wir auch in Brandenburg erreichen. Die Verantwortung für die Festlegung angemessener Grenzwerte liegt beim Umweltbundesamt. Um das Thema auf die Tagesordnung zu heben sind valide Messungen, medizinische Studien und Druck aus Politik und Öffentlichkeit unerlässlich.

Was ist darüber hinaus zu tun? Mit der Größe der Flugzeuge nimmt nicht nur der Treibstoffverbrauch zu, sondern auch die Kraft der Wirbelschleppen, die die Schadstoffe zu Boden drücken. Große und sehr große Flugzeuge schädigen die Gesundheit nicht nur durch erheblich größere Lautstärke, sondern auch durch viel höhere Ultrafeinstaubwerte. Sie kommen vor allem in Luftdrehkreuzen zum Einsatz. Ein solches darf der BER niemals werden.

Prof. Rottman verwies darauf, dass man zwar noch an der Verringerung des Schadstoffausstoßes durch Flugzeugtriebwerke arbeiten könne. Hier werde man aber sehr bald an Grenzen stoßen. Die einzige wirksame Maßnahme sei deshalb die Begrenzung des Flugverkehrs. Der BER darf auf keinen Fall über die genehmigten 360.000 Flugbewegungen hinaus wachsen.