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06.05.14

Fachgespräch zur inklusiven Bildung

Vorwort zur Studie

Marie Luise von Halem,
Bildungspolitische Sprecherin, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag

Für uns ist Inklusion nicht erst seit der UN-Behindertenrechtskonvention ein wichtiges Anliegen. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft war schon vorher für uns Bündnisgrüne ein Leitprinzip. Es war und ist uns immer wichtig, dass Inklusion nicht die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in die von Nichtbehinderten geprägte Gesellschaft, sondern die Gestaltung eines solidarischen Miteinanders unter Berücksichtigung der jeweiligen  Besonderheiten bedeuten muss. Das Bildungssystem in diesem Sinne zu verändern, legt den  Grundstein für eine Gesellschaft, in der alle auf Augenhöhe einbezogen werden und teilhaben, in der das Miteinander eine Selbstverständlichkeit ist. Eine Gesellschaft, für die Vielfalt Herausforderung und Chance zugleich ist.

Wir verstehen die Inklusion als Chance, das Bildungssystem insgesamt für alle Kinder zu verbessern. Durch den Blick auf jedes einzelne Kind können wir individuell fördern. Es hat sich gezeigt, dass Kinder mit speziellen Förderbedarfen in Regelschulen bessere Ergebnisse erzielen und ein größerer Anteil von ihnen einen qualifizierten Schulabschluss erreicht. Gleichzeitig erzielen Kinder ohne spezielle Förderbedarfe bei inklusiver Beschulung und entsprechend individualisiertem Unterricht genauso gute Lernerfolge und erheblich bessere soziale Kompetenzen. Der Umbau des  Bildungssystems hin zu inklusiven Schulen, die alle gleichermaßen angemessen fördern, ist wohl die größte bildungspolitische Herausforderung der nächsten Jahre. Die Schritte dorthin müssen sorgsam gesetzt werden. Das Ergebnis darf kein Etikettenschwindel sein, sondern ein gestärktes  Bildungssystem.

Die bisherige politische Diskussion zum Aufbau eines inklusiven Brandenburger Schulsystems hat uns deutlich gezeigt, dass wir dringend einen umfassenden Fahrplan und eine Rahmensetzung brauchen. Dafür hat unsere Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz mit der Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens zu dem Thema beauftragt. Der Erziehungswissenschaftler ist Sprecher des ExpertInnenkreises „Inklusive Bildung der Deutschen Unesco-Kommission" und lehrte von 1980 bis zu seiner Emeritierung 2008 an der Technischen Univertität Berlin. Er leitete außerdem von 1992 bis 1997 die „Wissenschaftliche Begleitung des flächendeckenden Aufbaus gemeinsamer Erziehung behinderter und nicht-behinderter Kinder im Land Brandenburg". Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz gilt als einer der renommiertesten Inklusionsforscher und Experten für Gemeinschaftsschule in Deutschland und ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Kommissionen.

Mit dem nun vorliegenden Gutachten können wir vor der Landesregierung einen konkreten Weg aufzeigen, wie der Umbau des Brandenburger Schulsystems gelingen kann. Dabei ist uns wichtig, dass wir die Rahmenbedingungen skizzieren, jedoch jede Schule vor Ort den konkreten Umbau selbst gestalten kann. Wir stehen dafür, dass die gegenwärtigen Ausgaben für die Förderschulen in gleicher Höhe in das inklusive Schulsystem fließen müssen.

Zentrale Schlussfolgerung aus der Studie ist, dass in Zukunft auf die Feststellungsdiagnostik im Bereich der Förderschwerpunkte Lesen, emotional-soziale Entwicklung und Sprache verzichtet werden muss. Die so frei werdenden Ressourcen müssen für diese Förderbereiche pauschal an die Schulen verteilt werden. Nur so können Schulen allen Kindern eine individuelle Förderung anbieten, bei der Schülerinnen und Schüler von multiprofessionellen Teams begleitet werden. So kann  Brandenburg bis zum Jahr 2020 den europäischen Durchschnitt von 85 Prozent inklusiver Unterrichtung erreichen.

Damit der Umbau pädagogisch gelingt, muss für die jetzigen Lehrkräfte ein groß angelegtes Fortbildungsprogramm Inklusion konzipiert werden. Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer müssen durch inklusionspädagogische Studieninhalte besser vorbereitet werden. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist es prioritär, dass der Umbau hin zu einem chancengerechten und diskriminierungsfreien Schulsystem gemeinsam mit allen Beteiligten angegangen wird. Alle Kinder sollen davon  profitieren. Es muss endlich der Vergangenheit angehören, dass zehn Prozent aller Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss verlassen – zu einem großen Teil sind das Schülerinnen und Schüler von Förderschulen.

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sieht vor, dass in Zukunft Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung im allgemeinen Schulsystem gemeinsam lernen und individuell gefördert werden. Die Bemühungen der Landesregierung, ein inklusives Schulsystem in Brandenburg umzusetzen, lassen zurzeit noch fast alle Fragen offen. Das in unserem Auftrag von Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz vorgelegte Gutachten „Brandenburg auf dem Weg zur inklusiven Schulentwicklung bis 2020" zeigt auf, wie der Umbau des Schulsystems gelingen kann.

>>> Download: Gutachten „Brandenburg auf dem Weg zur inklusiven Schulentwicklung bis 2020“ [pdf]

Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz hat seine Studie vorgestellt, sowohl Staatssekretär Burkhard Jungkamp als auch der Behindertenbeauftragte Jürgen Dusel haben die Ergebnisse aus ihrer Sicht bewertet.

Unter welchen Voraussetzungen kann inklusive Bildung gelingen?
Welche Zeitpläne und welche Ressourcen brauchen wir, was sind die Perspektiven?

Ein Austausch über konkrete Maßnahmen, die Bedürfnisse der beteiligten Akteure und die Finanzierung eines Umbaus soll die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems klären.

Dienstag, 29. November 2011
17.30 - 19.30 Uhr
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam

Montag, 9. Januar 2012
Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbeck

Dienstag, 7. Februar 2012, 18-20 Uhr
Evangelischen Grundschule Lübben, Berliner Str. 21, 15907 Lübben / Spreewald

Montag, 20. Februar 2012, 18-20 Uhr
„OFFI“, Berliner Str. 75, 16259 Bad Freienwalde

Montag, 12. März 2012, 17:30-19:30 Uhr
Stadthaus Elsterwerda

Donnerstag, 15. März 2012, 19-21 Uhr
Otto-Nagel-Grundschule, Aula, Andersenweg 43, 14558 Nuthetal, OT Bergholz-Rehbrücke

Donnerstag, 19 April 2012, 18-20 Uhr
Bürgerhaus Altstadt, Bäckerstraße 14, 14770 Brandenburg an der Havel

Auf dem Podium:

♦ Beathe Hahn, Schulleiterin der Pestalozzi-Förderschule Brandenburg an der Havel
♦ Viola Hirzel, stellvertretende Schulleiterin der Wilhelm-Busch-Schule Brandenburg an der Havel (Pilotschule Inklusion)
♦ Oliver Irmer, Kreiselternrat und Vertreter für Brandenburg an der Havel im Landeselternrat
♦ Karin Kuhnke, Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Brandenburg an der Havel
♦ Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz, Institut für Erziehungswissenschaft, TU Berlin

Donnerstag, 31. Mai 2012 18-20 Uhr
DRK City-Treff in Ludwigsfelde

6. Mai 2014 19-21 Uhr
Rathaus Wittenberge, Großer Sitzungssaal