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25.11.15

Fachgespräch: Hürden runter – Arbeit für Flüchtlinge ist ein Gewinn für alle

Mohammed Abdi, Siegfried Unger, Ursula Nonnemacher, Jutta Cordt und Monika Kadur, Foto: Janosch Raßmann
Mohammed Abdi, Siegfried Unger, Ursula Nonnemacher, Jutta Cordt und Monika Kadur, Foto: Janosch Raßmann
Foto: Janosch Raßmann

Für unsere bündnisgrüne Fraktion ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem wir den Übergang von einer Willkommenskultur für geflüchtete Menschen hin in eine Willkommensinfrastruktur gestalten möchten. Dabei spielt Arbeit eine wichtige Rolle. Die neu ankommenden BrandenburgerInnen sehen wir als eine Chance für das Land, eine Chance, die auch von Wirtschafts- und ArbeitgerInnenverbänden gesehen und betont wird. So sind zum Beispiel viele der Geflüchteten noch so jung, dass sie eine betriebliche Ausbildung beginnen können – auf einem der vielen unbesetzten Ausbildungsplätze. Darin waren sich auch unsere Gäste einig: Jutta Cordt, die Geschäftsführerin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, Monika Kadur von der Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V, Siegfried Unger, Vorstand der Gefas e.V. sowie Mohammed Ali Abdi, ein junger Somalier, der nach seiner Flucht nach Deutschland vor nur einem Jahr eine betriebliche Ausbildung begonnen hat.

Leuchtturmprojekte zeigen den Weg aber auch viele offene Fragen. So haben durch einen Schweißerlehrgang, mit begleitenden Deutschkursen am Wochenende, bereits mehrere Flüchtlinge eine feste Anstellung gefunden. Einige von ihnen haben zu diesem Zeitpunkt noch keine Anerkennung als Flüchtling. Das bedeutet einerseits, dass sie trotz Job weiterhin in einer Gemeinschaftsunterkunft leben. Anderseits besteht für die Betreibe, die diese geflüchteten beschäftigen, immer die Gefahr, gut eingearbeitete Mitarbeiter plötzlich durch eine Abschiebung zu verlieren.

Das zeigt, dass es noch viele Aufgaben zu lösen gibt: Wie können aufenthaltsrechtliche Vorgaben mit der Forderung aus Betrieben in Einklang gebracht werden, dass beschäftigte Flüchtlinge eine mehrjährige Bleibeperspektive erhalten?

Im Gespräch zeigte sich auch, dass eine große Frage ist, wie Verbände, Verwaltung und Betriebe miteinander kooperieren müssen, ihre Angebote vernetzen und aufeinander abstimmen können? Ab wann werden im Land flächendeckend Sprachkurse angeboten, vor allem auf einem Niveau, das eine Arbeitsaufnahme erst möglich macht? Wie wichtig ist die Anerkennung von formalen Berufsabschlüssen und welches Potenzial liegt in einem Arbeitsmarktzugang über Praktika? Aus Sicht der Fraktion ist klar, dass wir uns nach diesem Fachgespräch noch weiter mit ExpertInnen unterhalten müssen und parlamentarische Initiativen entwickeln werden. Damit Arbeit für Flüchtlinge möglich wird – und ein Gewinn für alle ist.