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Verkehr und Infrastruktur | 12.04.18

Bahnverbindungen: Schlechter als vor dem Mauerbau

S-Bahn wartet an rotem Signal © flickr.com kaffeeeinstein CC BY-SA 2.0
S-Bahn wartet an rotem Signal © flickr.com kaffeeeinstein CC BY-SA 2.0

10.316 Tage: So lange stand die Mauer, die Deutschland in Ost und West teilte. Und genauso viele Tage waren am 5. Februar 2018 seit ihrem Fall vergangen. Berlin und Brandenburg sind seit dem Ende der Teilung 1989 immer näher aneinandergerückt. Aber gilt das auch für die gemeinsame Infrastruktur des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)? Anlässlich des so genannten „Zirkeltages“ wollten wir von der rot-roten Brandenburger Landesregierung wissen, wie sich das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln seit dem Fall der Mauer entwickelt hat.

Das Thema betrifft viele: Die Zahl der so genannten AuspendlerInnen, die berufsbedingt regelmäßig von Brandenburg nach Berlin fahren, ist zwischen 1993 und 2016 von 90.289 auf 203.274 gestiegen. Umgekehrt, also von Berlin nach Brandenburg, pendelten 2016 84.776 Menschen; 1993 waren es noch 25.639 gewesen (jeweils PKW und ÖPNV zusammen, separate Zahlen liegen nicht vor). Die Nachfrage nach leistungsstarken Verkehrsachsen zwischen Brandenburg und der Bundeshauptstadt ist also höher denn je.

Entgegen den Versprechungen der damaligen Bundesregierung, dass die durch den Mauerbau gekappten Verkehrsverbindungen nach 1990 weitgehend wieder hergestellt würden, klaffen im Netz des Schienenpersonennahverkehrs aber weiterhin Lücken. Und es kommt noch dicker: Ein Blick auf eine alte S-Bahnkarte genügt, um zu sehen, dass die Verflechtungen zwischen Berlin und Umland vor dem Mauerbau 1961 besser waren als heute. S-Bahn-Verbindungen – wenn auch teilweise noch nicht elektrifiziert, sondern dampfbetrieben – gab es damals bis nach Straußberg, Wünsdorf, Ludwigsfelde, Wustermark, Velten, Fürstenwalde und Stahnsdorf.

Wir finden: Dass wir 28 Jahre nach dem Mauerfall den Stand von 1961 noch nicht annähernd wieder erreicht haben, ist auch ein massives landespolitisches Versäumnis und ein Entwicklungshemmnis. Berlin und Brandenburg haben jahrzehntelang den Straßenverkehr bevorzugt. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass die Landesregierung bei den am stärksten frequentierten Straßen und Autobahnen zwischen Berlin und Brandenburg – mit einer Ausnahme – keine Engpässe sieht. Beim Bahnverkehr besteht demgegenüber, auch nach Einschätzung der Landesregierung, erheblicher Handlungsbedarf. Schienenanbindungen wirken wie Lebensadern für die Entwicklung des Landes. Dass jetzt im Zuge des ÖPNV-Konzeptes 2030 nachgesteuert werden soll, ist deshalb zwar gut. Aber es werden weitere verlorene Jahre ins Land ziehen, bis sich die Situation verbessert. Schuld daran ist eine Politik des Hinterherhechelns, die den tatsächlichen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen in Brandenburg und Berlin nicht gerecht wird.

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