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NSU-U-Ausschuss | 23.07.18

„Piatto“ wusste, wo man Waffen herbekommen kann

Verfassungsschutz-Informant Carsten Szczepanski alias „Piatto“ hat die Möglichkeit gehabt, über Dritte an Waffen heranzukommen. Das hat ein ehemals enger Weggefährte von ihm am 4. Mai 2018 vor dem NSU-Untersuchungsausschuss Brandenburg berichtet.

Von „Piatto“ selbst ist beim Verfassungsschutz aktenkundig, dass ihm ein Brandenburger Szene-Händler am 3. Juli 1998 auf einer Fahrt nach Chemnitz gesagt habe, dass er Schusswaffen von Jägern auftreiben könne. Gegenüber seinem einstigen „Kameraden“ Henning P. soll Szczepanski wiederholt erwähnt haben, dass er im Gefängnis Leute kennengelernt habe, die Waffen besorgen könnten. Waffen „direkt angeboten“ habe Szczepanski allerdings nicht, so der Zeuge.

Mit einem „Combat 18“-Kader befreundet

Henning P. berichtete weiter, dass Szczepanski mit einem Führungskader der Terrorgruppe „Combat 18“ in England „sehr gut befreundet“ gewesen sei. Szczepanski habe die Gruppierung in Deutschland „richtig publik gemacht“. Der Zeuge bestätigte auch, dass in der rechtsextremistischen Szene über den bewaffneten Kampf diskutiert wurde – und eben nach England geschaut worden sei, wo die Gruppe „Combat 18“ Nagelbomben-Anschläge begangen hat.

Szczepanskis Praktikum im „Sonnentanz“-Laden

Henning P. hat Szczepanski regelmäßig besucht, als jener in den 90er-Jahren in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel einsaß, wegen eines Mordversuchs an einem nigerianischen Lehrer. Teilweise waren weitere Rechtsextremisten bei den Besuchen dabei. Zum Beispiel das Ehepaar Probst aus Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz, in dessen „Sonnentanz“-Laden der Verfassungsschutz-Informant noch während seiner Haft ein Praktikum gemacht haben soll. Von dem Praktikum wisse er, sagte Henning P. vor dem Untersuchungsausschuss. Er könne es aber zeitlich nicht mehr einordnen – er habe gedacht, das Praktikum sei erst nach der Haftentlassung gewesen.

In der Justizvollzugsanstalt „Druck“ gemacht

Nach dem Gerücht gefragt, ob das Szene-Heft „Der weiße Wolf“ in der Justizvollzugsanstalt hergestellt worden sei, antwortete Henning P., dass es sich um kein Gerücht handle. „Das war so.“ Der Herausgeber des „Weißen Wolfs“ habe dort eingesessen. Und Szczepanski habe während seiner Haftzeit das Magazin „United Skins“ herausgebracht. Er habe mal erklärt, dass das über die Gefängnisdruckerei laufe. Henning P. meinte außerdem, dass das Heft auch aus dem Gefängnis verschickt worden sei.