Direkt zum Inhalt springen
Zum Inhalt springen
Landwirtschaft | 22.03.18

Grußwort an den Landesbauernverband zum 11. Bauerntag

Sehr geehrter Herr Wendorff,

Sehr geehrte Mitglieder des Landesbauernverbandes,

im Namen der gesamten Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag möchte mich ausdrücklich für Ihre Einladung zum 11. Landesbauerntag am 21. März am Seddiner See und Ihr Angebot dort ein Grußwort zu halten bedanken. Leider verunmöglicht uns ein schon länger feststehender Klausurtermin eine Teilnahme der Mitglieder des Fraktionsvorstandes. Ich möchte Ihnen daher auf diesem Wege eine erfolgreiche Versammlung mit anregenden Diskussionen wünschen.

„Landwirtschaft 2030 - Die moderne Landwirtschaft im Fokus der Öffentlichkeit“, so lautet der gut gewählte Titel des Fachvortrages des DLG-Präsidenten Hubertus Paetow auf dem 11. Landesbauerntag.

Und in der Tat: Gerade die Brandenburger Landwirtschaftsbetriebe mit dem großen und kritischen Verbrauchermarkt Berlin vor der Hoftür erfahren eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Eine Aufmerksamkeit, die sich nicht im Besuch der Grünen Woche, der BraLa oder der jährlichen Landpartie erschöpft. Immer mehr Verbraucher und Verbraucherinnen wollen auch im Alltag wissen, wo und unter welchen Bedingungen ihre Nahrungsmittel produziert wurden. Sie wollen dabei nicht dem jeweiligen Gift des Monats im kleingedruckten Beipackzettel hinterher jagen, sondern erheben Anspruch auf pestizidfreie und naturverträglich hergestellte Lebensmittel. Bio, Regionalität, Tierwohl, Faire Produktion sind die Schlüsselbegriffe der aktuellen Diskussion.

Eine Landwirtschaft, die auf diese Verbraucherinteressen eingeht und qualitativ hochwertige Produkte anbietet ist auch eine Landwirtschaft mit Zukunft. Eine Landwirtschaft, die allein auf eine am Weltmarkt ausgerichtete Massenproduktion zu Dumpingpreisen setzt, wird dagegen den Rückhalt der heimischen Verbraucherinnen verlieren und setzt die Existenz Ihrer Betriebe aufs Spiel.

Egal ob Tier- oder Pflanzenproduktion, eine industrielle Landwirtschaft, die sich aus der regionalen Verankerung löst und zunehmend in den Besitz außerlandwirtschaftlicher Investoren gerät, zerstört das soziale Gefüge im ländlichen Raum. Der Zusammenbruch der KTG, wie auch die Insolvenz der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft B.M.G. werfen aktuell ein besonderes Licht auf die Gefahren fortschreitender Markt- und Machtkonzentrationen für unsere Landwirtschaftsbetriebe.

Vor diesem Hintergrund sollten die gemeinsamen Demonstrationen von kritischen Landwirten, Umwelt- und Verbraucherverbänden, Konsumentinnen und Konsumenten anlässlich der Grünen Woche Ihrerseits nicht als vernachlässigbarer Protest unkundiger Laien abgetan werden; besser wäre es, wenn Sie diese als Chance zu einer breit getragenen Neuausrichtung der Landwirtschaft auch in Brandenburg sehen würden.

Gerade nach dem bundesweit beachteten Erfolg des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung in Brandenburg und Ihrer Mitwirkung an der Erarbeitung des darauf aufsetzenden Tierschutzplans sehen wir hier erste Ansätze gemeinsam zu einem neuen Verständnis moderner Landwirtschaft zu kommen.

Allen Fehlentwicklungen der Vergangenheit zum Trotz hat Brandenburg immer noch die besten Chancen von den Verbraucherinnen und Verbrauchern als Produktionsstandort für qualitativ hochwertige und gesunde Nahrungsmittel wahrgenommen zu werden. Hierzu wäre es aber erforderlich, Bio nicht nur als Nische, sondern als grundlegende Alternative zur konventionellen Landwirtschaft zu betrachten; die Ausrichtung der Tierhaltung am Tierwohl nicht als „muss ja“ zu begreifen, sondern aus innerer Überzeugung einfach zu machen; Verbraucherschützerinnen nicht als Gegner sondern als Verbündete zu begreifen.

Viele Brandenburger Landwirte und Landwirtinnen haben sich schon auf den Weg gemacht. Von den Landschweinen in der Prignitz bis zu den Äckern bei Dannenberg, es gibt viele ermutigende Beispiele, die neue und gangbare Wege in der Tier- und Pflanzenproduktion aufzeigen. Sie machen aber auch deutlich: Moderne Landwirtschaft ist keine Museumslandwirtschaft.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen spannende Diskussionen und bedauere außerordentlich nicht persönlich anwesend sein zu können. Ich setze auf weitere Möglichkeiten zum intensiven Meinungsaustausch bei anderen Gelegenheiten.

Mit besten Grüßen!

Axel Vogel