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Ländlicher Raum | 26.06.19

Wir brauchen einen Öko-Aktionsplan

Unsere Expertin Martina Schäfer zu Brandenburgs Chancen und Potenzialen im Ökolandbau

Zwei Felder mit unterschiedlicher Bepflanzung (c) Christian Schulze
Zwei Felder mit unterschiedlicher Bepflanzung (c) Christian Schulze

Brandenburg hat das Potenzial, ganz Berlin mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch die komplette Umstellung auf biologische Landwirtschaft ist machbar, wie aus einer Studie vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung von 2017 hervorgeht, die das Selbstversorgungspotenzial von Großstädten, unter der Voraussetzung eines geringeren Fleischkonsums, untersuchte. Noch sind das Zukunftsvisionen. In der Enquêtekommission „Ländliche Räume“ spielte der Ökolandbau in Brandenburg eine wesentliche Rolle. Als wissenschaftliche Sachverständige für die Fraktion holten wir deshalb Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer von der TU Berlin in die Kommission, die an Empfehlungen zur Verbesserung, besonders im Ökolandbau, mitgearbeitet hat. „Brandenburg verpasst ökonomische Chancen, weil das Wachstum des Ökolandbaus nicht mit der stark gestiegenen Nachfrage der Konsument*innen Schritt halten kann“, so Martina Schäfer.

Bereits 2010 lag der Anteil an Ökolandbauflächen bei 10,2 %, wuchs bis 2019 aber nur auf 12 % an. Brandenburg hat es versäumt, seine Anfang der 2000er Jahre vorhandene bundesweite Vorreiterposition auszubauen und systematisch Maßnahmen zur Steigerung des Ökolandbaus zu ergreifen. Denn es gibt viele Landwirte, die gerne zusätzliche Flächen für Ökolandbau pachten oder kaufen würden.

Durch die hohen Kauf- und Pachtpreise und eine fehlgeleitete Bioenergieförderung, durch die viele auf Energiemais-Anbau umgestiegen sind, konnten in den vergangenen Jahren kaum Flächen für mehr Ökolandbau dazugewonnen werden. Weitere Gründe für den geringen Zuwachs sieht Martina Schäfer in dem niedrigen Fördersatz für Öko-Landwirte in der Umstellungs-Phase: „Die Prämie ist in Brandenburg eindeutig zu niedrig für die Landwirt*innen, die in den ersten zwei Jahren bei der Umstellung auf Ökolandbau ihre Produkte noch nicht als Bio-Produkte verkaufen dürfen. Zudem gibt es derzeit nicht genügend Anreize zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft, insbesondere in den Bereichen Gemüse und Dauerkulturen, die am Berliner Markt besonders gefragt sind.“

Um die Lücken in der derzeitigen Wertschöpfungskette zu schließen und um Konsument*innen und Produzent*innen zusammenzubringen, muss man an verschiedenen Stellschrauben drehen, erklärt Martina Schäfer. „Das ist nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll. Hier geht viel Wertschöpfung verloren, die wir regional erzielen könnten.“

Die Enquêtekommission empfiehlt die Verabschiedung eines Öko-Aktionsplans mit Maßnahmen zur Verlängerung der Wertschöpfungskette, zur besseren Vermarktung von regionalen, landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Erzeugnissen, zur besseren Erschließung der Nachfragepotenziale des Berliner und Brandenburger Marktes und vielfältige Ansätze, mit denen das bundesweite und Brandenburger Ziel von 20 % Ökolandbau erreicht werden kann. Brandenburg würde damit mit vielen Bundesländern gleichziehen, die bereits Öko-Aktionspläne verabschiedet haben und in denen der Anteil an Ökolandbau stark wächst. Für die Zukunft wünscht sich Martina Schäfer, „dass der Ökolandbau noch stärker Motor für Regionalentwicklung wird, gemeinsam mit der Verarbeitung, dem Handel und dem Tourismus. In Brandenburg sollten sich mehr Regionen offensiv als Bioregion vermarkten.“ Mit dem großen Markt Berlin hat der Ökolandbau in Brandenburg sehr gute Chancen.

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