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BER | 12.04.18

BER: Business as usual

Flughafen Tegel © Seema Mehta
Flughafen Tegel © Seema Mehta

„Angela Merkel hat überraschend ihr geplantes Rücktrittsdatum bekannt gegeben: Einen Tag nach der Eröffnung des BER!“

Witze über den BER und die immer neuen Terminverschiebungen haben eines gemeinsam: Sie werden gerne auf Kosten anderer gemacht. Der kurz vor Weihnachten verkündete Termin zur Eröffnung des BER im Oktober 2020 bedeutet, dass weitere Kosten auf die EigentümerInnen, sprich: auf die SteuerzahlerInnen, zurollen. Bei den jetzt genannten Mehrkosten von 770 Millionen Euro wird es sicher nicht bleiben.

Inzwischen sind die offiziell bekannt gegebenen Eröffnungstermine eher Glaubensbekenntnisse als wissenschaftliche Prognosen. Gewissheit, ob die Technik im Terminal reibungslos arbeitet, kann es erst nach der sogenannten Wirk-Prinzip-Prüfung geben. Diese erfolgt nach Abschluss aller Bauarbeiten und dauert zusammen mit dem Probebetrieb zwölf bis 14 Monate. Inzwischen gehen die verantwortlichen PlanerInnen davon aus, die Bauarbeiten nicht vor Januar 2019 beenden zu können. Nur wenn dann keine größeren Fehler festgestellt werden, ist der genannte Eröffnungstermin zu halten; angesichts der bisherigen Geschichte des BER wäre dies ein Wunder.

Noch hat die Flughafengesellschaft FBB etwa 1,5 Milliarden Euro in der Kasse. Für die Fertigstellung des Terminals am BER reicht das aber nicht. Große Teile der für den weiteren Ausbau des Standorts Schönefeld bis 2025 vorgesehenen 1,1 Milliarden Euro werden durch die erneute Terminverschiebung aufgefressen. Würden diese Gelder aber jetzt nicht umgewidmet und für das Hauptterminal freigegeben, ginge der Flughafengesellschaft noch in diesem Jahr das Geld aus. Das will niemand, also wird umgeschichtet und damit zugleich die Antwort auf die Frage, wie dieser Flughafen am Ende wirklich finanziert werden soll, aufgeschoben. Die bislang von den FBB-Verantwortlichen erfolgreich eingesetzte Taktik, bekannte Mehrkosten für das Projekt nur scheibchenweise zu veröffentlichen, wird fortgesetzt. Alternativoptionen: Fehlanzeige.

Statt immer neuer Ausbauplanungen – inzwischen ist von 60 Millionen FlugpassagierInnen die Rede – und Masterplänen für eine neue Flughafenstadt ohne Rücksicht auf Verluste fordern wir Selbstbeschränkung:
Fertigstellung des BER so wie ursprünglich genehmigt als Flughafen für den Bedarf der Region, Nachtflugverbot und zügige Umsetzung des Lärmschutzes. Wir stehen für eine verantwortungsbewusste Verkehrspolitik, die auf eine Begrenzung des Flugverkehrs und den Ausbau des Bahnverkehrs als Alternative zu Flügen auf der Kurzstrecke setzt.

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