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Pressemitteilung | 07.05.12

Ohne vom Landtag geforderte Bestandsaufnahme abzuwarten: Sorbisch-Unterricht im Witaj-Programm soll gekürzt werden

(Nr. 69) Anlässlich der Medienberichterstattung zu geplanten Kürzungen beim zweisprachigen Unterricht für Sorben sagte die für die Lausitz zuständige Abgeordnete der bündnisgrünen Fraktion im Brandenburger Landtag SABINE NIELS: „Die Bildungsministerin Martina Münch ist in der Pflicht, die Pläne konkret zu erklären. Die angekündigten Veränderungen bedeuten faktisch Kürzungen für den Sorbisch-Unterricht und wären ein Schlag vor den Kopf aller engagierten Sorben/Wenden in Brandenburg. Verlässliche Politik sieht anders aus. Es ist ein Hohn erster Güte, dass sich die Ministerin erst im Januar in einer Plenardebatte für den Erhalt und die Unterstützung des Witaj-Projektes ausgesprochen hat und jetzt faktisch kürzt, ohne den Evaluationsbericht abzuwarten.

Die Ministerin setzt hinter dem Rücken der Vereine, Initiativen und Organisationen vor Ort den Rotstift an und verwaltet die sorbische Sprache ins Abseits, bevor überhaupt eine Bestandsaufnahme geschehen ist“, so NIELS.

Die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, wie auch die anderen Oppositionsparteien, hatten sich im Januar 2012 für eine Evaluation des Witaj-Programms ausgesprochen. Diesem Antrag wollte die rot-rote Koalition nicht nachkommen. Stattdessen votierte die SPD und LINKE dafür, im dritten Quartal 2012 eine Einschätzung zur Wirksamkeit des bilingualen Sachfachunterrichts in niedersorbischer Sprache vorzunehmen und Handlungserfordernisse seitens des Landes vorzustellen.

Nach Informationen des Witaj-Sprachzentrums Cottbus sollen Grundschulen, welche deutsch-sorbischen Unterricht im Witaj-Programm anbieten, zum nächsten Schuljahr den bilingualen Unterricht kürzen. Entsprechende Pläne sollen vom Brandenburgischen Schulministerium bereits angewiesen worden sein. Eine Rücksprache mit dem zuständigen Schulamt, der ihm angehörenden Arbeitsstelle für sorbische (wendische) Bildungsentwicklung Cottbus oder dem Sprachzentrum habe nicht stattgefunden, berichtet der Leiter der Cottbuser Außenstelle des sorbischen Witaj-Sprachzentrums, Meto Nowak. Medienberichten zufolge, rudert jetzt das Bildungsministerium nach einer Welle der Empörung zurück. Derlei Überlegungen seien vorerst vom Tisch, andere würden am Ende überdies vielleicht nie spruchreif, heißt es aus dem Hause Münch.

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