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Pressemitteilung | 28.06.19

Stark erhöhter Quecksilber-Ausstoß beim Kraftwerk Jänschwalde

(Nr. 95) Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hat laut Statistik des Umweltbundesamts 2017 und 2016 deutlich mehr Quecksilber emittiert als in den Jahren davor. Während die Quecksilber-Emissionen von 2007 bis 2015 im Durchschnitt bei ca. 440 Kilogramm pro Jahr lagen, wurden 2016 743 kg und 2017 672 kg emittiert. Das ist ein Plus von 69 bzw. 53 Prozent gegenüber diesem Durchschnittswert.

Brandenburgs Landesregierung sieht dennoch keine Gefahren. „Der Anstieg der Emissionen ist also auf die Lagerstätten-bedingten Schwankungen des Quecksilbergehaltes im Brennstoff Kohle zurückzuführen. Der Emissionsgrenzwert für Quecksilber im Rauchgas (von 30 Mikrogramm pro m3) wurde in den benannten Jahren durch das Kraftwerk jederzeit und sicher eingehalten. Die Emissionen lagen durchschnittlich sogar bei weniger als einem Drittel des Grenzwertes“, antwortete Umweltminister Jörg Vogelsänger auf eine mündliche Anfrage der Jänschwalder Landtagsabgeordneten Heide Schinowsky zu den Werten.

Eine Neubewertung der Quecksilber-Emissionen steht gleichwohl bevor: 2017 wurden die zulässigen Schadstoffgrenzwerte auf Europaebene gesenkt. Weil Kohlekraftwerke erhebliche Mengen giftiger Stoffe wie Schwefel, Stickoxid und Quecksilber ausstoßen, hatten die EU-Mitgliedsstaaten neue Grenzwerte (LCP-BREF*) für Kohlekraftwerke beschlossen, die innerhalb einer Frist von einem Jahr in nationales Recht umgesetzt werden müssen und die Emissionswerte ab 2021 regeln.

Die energiepolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Heide Schinowsky fordert von der Bundesregierung eine zügige Umsetzung der EU-Vorgaben: „Der Bund darf die Einführung der neuen Schadstoffwerte nicht weiter verschleppen. Jedes Kilogramm Quecksilber, das durch die Kohleverbrennung in die Umwelt gelangt, ist eines zu viel. Das Nervengift sammelt sich im menschlichen Körper an und baut sich nicht wieder ab.“ Für Erwachsene könne es krebserregend und nervenschädigend sein, auch Leber und Lunge werden angegriffen. Bei Säuglingen und Kleinkindern könne Quecksilber zu Gehirnschäden führen.

Der tschechische Bergbaubetreiber LEAG, Eigentümer des Kraftwerks Jänschwalde, hatte vergangenen Dezember zusammen mit der Braunkohlelobby DEBRIV beim Europäischen Gerichtshof gegen den EU-Beschluss geklagt, ist damit aber gescheitert.

 

>>> Antwort Wirtschaftsminister Jörg Steinbach zum Anstieg der Quecksilber-Emissionen durch das Kraftwerk Jänschwalde (pdf-Datei)

Hintergrundinformationen:

Zahlen des Umweltbundesamts auf Twitter oder hier:

*Large Combustion Plants (LCP BREF) - BREF ist die englische Abkürzung für Best Available Techniques Reference oder Best Available Techniques Reference Document, kurz: BAT Reference oder BAT Reference Document. Im Deutschen wird der Begriff „BREF“ stellvertretend für ein BVT-Merkblatt verwendet

>>> EU verschärft Standards für Kraftwerksemissionen

>>> Kohlebranche scheitert bei Schadstoffen an EU

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