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Rede | 12.06.15

Ursula Nonnemacher spricht zum Antrag der CDU „Gemeinsam arbeiten - gemeinsam leben in Brandenburg“

- Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede!

Gemeinsam arbeiten - gemeinsam leben in Brandenburg. Dieser Satz zeichnet ein schönes Bild, eine Integration der Flüchtlinge bis in die Kapillaren unserer Gesellschaft. Arbeit hat für Menschen einen zentralen Stellenwert. Gute Arbeit ist die Grundlage für ein gesichertes Einkommen, für soziale Anerkennung und ein selbstbestimmtes Leben in Würde.

Viele Flüchtlinge hatten in ihren Herkunftsländern Arbeit, in ganz unterschiedlichen Bereichen: im Handwerk, in Gesundheitsberufen, in der Landwirtschaft, in der Bildung… Wir glauben, wie die CDU-Fraktion, dass diese Flüchtlinge auch hier einer Arbeit nachgehen möchten. Wir Grünen haben im Bund einen schnelleren und gleichrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erreicht.

Darauf sind wir stolz. Die Gleichbehandlung von geflüchteten Menschen auch am Arbeitsmarkt ist ein humanitäres Recht! Hinzu kommt, dass Arbeit ein Katalysator der sozialen Integration ist. Unsere Landesregierung kann viel dafür tun. Vorrangiges Ziel bleibt die Unterbringung in Wohnungen und Wohnverbünden. Dort, im Wohnumfeld und nicht in Gemeinschaftsunterkünften, knüpfen sich Kontakte zwischen den Menschen, Zugezogenen und Alteingesessenen.

So lebt es sich nicht nur angenehmer, auch finden die meisten Menschen Arbeitsplätze über Kontakte! Durch direkte Kontakte lernt sich übrigens auch die Sprache schneller. Denn die Arbeitssuche ohne Sprachkenntnisse ist aussichtlos. Also muss die Landesregierung auch ein ausreichendes Angebot an Sprachkursen schaffen. Außerdem möchten wir, dass Brandenburg an dem Projekt „Jeder Mensch hat Potenzial“ teilnimmt.

Acht andere Länder sind bereits bei diesem Modell der Bundesarbeitsagentur zur Arbeitsmarktintegration für Asylsuchende dabei. Für junge Asylsuchende fordern wir das Land auf, einen humanitären Ausbildungsaufenthalt zu schaffen. Sie sollen ein Bleiberecht mindestens für die Dauer ihrer Ausbildung erhalten. Das ist eine sinnvolle Ergänzung zu dem geplanten Programm zur Integration jugendlicher Flüchtlinge in die Berufsausbildung.

Geflüchtete Frauen und Mädchen müssen ebenfalls durch eigene Programme angesprochen werden. Wir möchten sie besonders ermutigen, sich ihren Platz in der Arbeitswelt zu nehmen. Die Landesregierung kann aber noch mehr tun. Um den Kopf für Arbeit frei zu haben, brauchen Eltern die Gewissheit, dass es ihren Kindern tagsüber gut geht.

Deshalb: Schaffen Sie Rahmenbedingungen für integrative Schulen und Kitas!

Zum Schluss möchte ich noch einmal von den Traumatisierungen sprechen, die viele Flüchtlinge erlitten haben. Eine gute Arbeit schenkt Menschen Selbstwertgefühl und stärkt den Glauben daran, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können. Das unterstützt den Heilungsprozess und hilft, Ängste und Niedergeschlagenheit zu überwinden.

Mit der Arbeitsaufnahme werden vielleicht nicht alle Probleme sofort verschwinden. Aber ein durchdachtes Gesamtpaket wird uns ein großes Stück dem gemeinsamen Arbeiten und Leben in Brandenburg entgegenbringen!

Der vorliegende Antrag deckt nicht alle genannten Facetten ab, macht aber vernünftige Vorschläge zur Integration in den Arbeitsmarkt und wird von uns unterstützt.

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