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Rede | 17.12.15

Ursula Nonnemacher spricht zum Antrag der Fraktionen SPD und DIE LINKE „Fortschreiben. Verbessern. Fördern. Die Umsetzung neuer Leitlinien der Seniorenpolitik“

- Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede!

Das Altern ist vielfältig und bunt geworden. Eine gute Seniorenpolitik muss deshalb ebenso vielfältig und bunt sein. Im Moment ist es so, dass wir - obwohl wir alle jeden Tag ein wenig älter werden und Menschen über 65 in Brandenburg ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen –oft eher die Einschränkungen durch das Alter sehen. Auch Edeka assoziiert in ihrem aktuellen Werbespot Alter mit dem Negativum Einsamkeit und spricht damit anscheinend viele Menschen an. Vielfalt zu denken schließt dagegen auch die Potentiale älterer Menschen mit ein. Viele ältere und alte Menschen waren noch nie so gesund, so gebildet und so aktiv wie heute. Natürlich möchten sie sich weiterhin am gesellschaftlichen Leben beteiligen. Wir müssen diese Chance für Brandenburg unbedingt nutzen und dieser Bereitschaft die politische Plattform bieten. Leider verhindern bestehende Mindest- oder Altersgrenzen, dass sich Menschen mit ihren Fähigkeiten in unsere Gesellschaft einbringen können. In der Sozialgesetzgebung, beim bürgerschaftlichen Engagement oder im Versicherungswesen gibt es immer noch Vorgaben, die sich am Lebensalter festmachen. Wir finden, ebenso wie 16-jährige nicht zu jung sind, um zu wählen, sind 59-jährige nicht zu alt für einen neuen Beruf. Es ist Zeit, umzudenken. In der vergangenen Legislaturperiode hat sich die Landesregierung bei der Fortschreibung des Seniorenprogramms zu stark auf Pflegepolitik fokussiert und dadurch in unseren Augen zumindest teilweise die Intention des aktiven Alterns konterkariert. Seniorenpolitik ist mehr als Pflege, und deswegen ist es gut, dass die Koalitionsfraktionen in ihrem Antrag die Umsetzung neuer Leitlinien in der Seniorenpolitik fordern.

Wichtige Punkte sprechen sie dabei an: die Bildung, lebenslanges Lernen, die Arbeit, gesundheitliche Prävention und Versorgung, Pflege. Gut ist auch, dass sie ganz explizit Fragen nach den Bedürfnissen der älteren Flüchtlinge bei der Entwicklung der Leitlinien stellen möchten. Wichtig sind aus unserer Sicht auch der altersgerechte Stadtumbau und die Entwicklung des ländlichen Raums. Da können wir heute für morgen investieren und Wohnungen bauen, in denen heute die Flüchtlinge gut leben können, von wo aus sie nahe Wege zur Kita, zur Schule, zum Einkaufen zum Deutschkurs und zum kulturellen Angebot haben. Morgen können dort Ältere leben, die aufgrund der erhöhten Arbeitsmobilität keinen engen Familienverbund haben aber auf keinen Fall so einsam enden müssen wie der überinszenierte Edeka-Opa. Alle profitieren von Quartierskonzepten, die neue Formen für das Wohnen und Zusammenleben, Orte des Zusammentreffens der Generationen und kurze Wege ermöglichen.

Für ein Gesundheitswesen mit einem engen Bezug zur Lebensrealität der älteren und alten Menschen wünschen wir uns sektorenübergreifende Angebote, zum Beispiel Gesundheitszentren als Weiterentwicklung der heutigen, oft noch monoprofessionellen, medizinischen Versorgungszentren. Sie können vor allem in ländlichen Regionen einen wichtigen Anker der medizinischen Versorgung bilden, und dort ein konsequent patientenzentriertes, auf der interprofessionellen Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe beruhendes Angebot sein.

Die Koalitionsfraktionen schreiben in ihrem Antrag: Eine Fortschreibung und anschließende Umsetzung der Seniorenpolitischen Leitlinien kann der Grundstein für eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe von älteren Brandenburgerinnen und Brandenburgern sein. Wir finden, die Leitlinien müssen jetzt so gut ausgestaltet werden, dass sie ganz eindeutig der Grundstein sind.

Wir stimmen dem Antrag zu.

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