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Rede | 12.06.15

Marie Luise von Halem spricht zum Antrag der Koalition „Gesundheitsforschung stärken - hochwertige medizinische Versorgung sichern“

- Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede

Bereits im Rahmen der Gründung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg 2013 wurde mit dem Profilschwerpunkt ‚Mensch’ und 3,2 Mio Euro Starthilfe für die Gesundheitswissenschaften über einen Gesundheitscampus diskutiert. Damals sollte er allerdings in der Lausitz eingerichtet werden, die dortige Universität aufwerten, die Universität Potsdam sollte mit ihrer Expertise beteiligt werden. Potsdam hat zwar ein ‚Department für Sport- und Gesundheitswissenschaften’, von den dort angebotenen Studiengängen Lehramt Sport, Sportmanagement, Sportwissenschaft klingt aber einzig ‚Sporttherapie und Prävention’ nach Gesundheitswissenschaften. Es macht jetzt schon etwas hellhörig, dass in dem vorliegenden Antrag keine Rede mehr davon ist, dass dieser Gesundheitscampus sein Zentrum in der Lausitz haben solle.

Nun hat dies alles einen anderen Zungenschlag bekommen. Größer, bunter, umfassender und spannender soll es zudem sein. Dies hat die Aufmerksamkeit gezeigt, die mit der Vorstellung der Haushaltsänderungsanträge der Koalition genau diesem Projekt Gesundheitscampus zuteil wurde. Und dabei tauchte ein Partner auf, der bei der ursprünglichen Idee noch gar nicht vorhanden war: die Medizinische Hochschule Brandenburg „Theodor Fontane“.

Ich möchte erst einmal skizzieren, was wir an diesem Antrag gut finden und warum wir ihn auch mitbeschließen werden:

Für uns sind bessere Ausbildungsangebote und eine stärkere Vernetzung in den Bereichen Pflegewissenschaften, Gesundheit des Alterns, Therapiewissenschaften und Prävention unabdingbar. Wenn wir wollen, dass die zarten Pflänzchen in der Lausitz an der BTU gedeihen, groß werden und Strahlkraft entwickeln, dann brauchen wir die Expertise z.B. des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DifE) oder der Universität Potsdam.

Der hier vorliegende Antrag fordert die Landesregierung erst einmal nur auf, ein Konzept zur konkreten Gestaltung des Gesundheitscampus vorzulegen. Bislang gibt es noch keine Verpflichtungsermächtigung für die 12 Professuren. Wir begrüßen dieses Konzept, wir wollen es im Ausschuss diskutieren und auch durch eine Anhörung von außen begutachten lassen.

Was aber nicht geht, meine lieben Kolleg*innen von der Koalition, ist, dass hier durch die Hintertür eine medizinische Fakultät aufgebaut oder gar einer privaten Hochschule staatliche Mittel zugesprochen werden. Der letzte Satz der Begründung („Der Landtag betont sein Ziel, im Rahmen des Gesundheitscampus keine staatlichen Mittel in die direkte Finanzierung der Medizinischen Hochschule Brandenburg zu geben.“) wäre besser im Antragstext aufgehoben gewesen!

Wir stehen weiterhin hinter der Empfehlung des Wissenschaftsrates, in Brandenburg keine Mediziner auszubilden. Berlin bietet für die akademische Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern die besten Voraussetzungen. Außerdem würde ein Medizinstudium in Brandenburg das Problem der medizinischen Unterversorgung noch lange nicht beseitigen. Auch der Gesundheitscampus allein wird das nicht lösen. Das anzunehmen, ist kurzsichtig – hier müssen andere Lösungen her. Da geht es um Attraktivität, um Perspektiven und um Willkommenskultur!

Und obwohl wir wissen, dass diese Brandenburger Landesregierung Berlin höchstens noch im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Schandfleck BER wahrnimmt, sind wir doch der Meinung, dass es sich gerade im Bereich der medizinischen Versorgung sehr wohl lohnen würde, die Kooperation mit neuem Schwung zu vertiefen. Davon steht hier nichts.

Wenn Sie die Pflegekammer nur halbherzig wollen, stärken Sie wenigstens die Pflegeberufe mit der Akademisierung ihrer Ausbildung. Dazu ist der Gesundheitscampus – getragen durch die staatlichen Hochschulen! – eine gute Antwort. Dann sehen wir dem nun zu erstellenden Konzept freudig entgegen.

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