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Rede | 06.06.13

Michael Jungclaus spricht zum Antrag „Mehr als Honig – Bienen in Brandenburg fördern“

Redemanuskript als PDF

- Es gilt das gesprochene Wort!

Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, liebe Gäste,

Seit Anfang der 90er Jahre haben wir eine bedrohliche Entwicklung der Honigbienenbestände in Brandenburg zu verzeichnen, von ehemals 140.000 Bienenvölkern blieben im Jahr 2008 nur noch 16.000 Bienenvölker übrig, dies entspricht einem Rückgang von 90 Prozent.

Auch bei den Wildbienen schaut es nicht besser aus, denn jede zweite Wildbienenart ist vom Aussterben bedroht. Krankheiten, wie die Varroa-Milbe, der massive Pestizideinsatz in der Landwirtschaft, die ausgeräumte Agrarlandschaft mit fehlendem Nahrungsangebot bis hin zu immer weniger Imkerinnen und Imker: es gibt viele Gründe, warum die Bienenbestände so drastisch zurückgegangen sind. Zwar hat sich zumindest bei den Honigbienenbestände die Situation leicht erholt, von Entwarnung kann hier aber noch keiner sprechen: wir befinden uns erst auf einem Niveau von 28 Prozent gegenüber den 90ern.

Eine Erhöhung der Honigbienenbestände bringt uns nicht nur mehr Honig – 8 von 10 Honiggläsern in unseren Supermärkten stammen nebenbei bemerkt aus dem Ausland – sondert sie steigert auch den Ertrag der Landwirte auf den Äckern und Wiesen.

Neben den Honigbienen leisten aber auch die Wildinsekten einen ganz entscheidenden Beitrag. Forscher von der ETH Zürich haben beobachtet, dass in Landschaften mit einem geringen Vorkommen von wilden Insekten Pflanzen weniger Samen und Früchte ausbilden. Die Bestäubungsrate im Feld steigt mit der Anzahl und der Vielfalt der Bestäuber, wir brauchen also viele Bienen und Insekten und möglichst viele verschiedene Arten.

Deshalb reicht es nicht, sich nur auf die Honigbienen zu beschränken, wir brauchen eine ganze Reihe von Maßnahmen, die auch unsere Wildbienenarten stärken. Dies würde nicht nur dem Naturschutz zu Gute kommen, auch die Landwirte und Obstbauern profitieren hiervon, denn mit mehr Bienen und Insekten gibt es auch mehr zu ernten.

Und dieses wirtschaftliche Potenzial der Bienen sollte genutzt werden, in Deutschland wird alleine der Nutzwert der Honigbienen auf etwa 4 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

 

Neben dem wirtschaftlichen Nutzen sind Bienen und weitere Insekten aber auch ganz entscheidend für den Erhalt der Biodiversität. Nicht nur 85 Prozent der Nutzpflanzen, sondern auch der Großteil der Wildpflanzen ist auf eine Bestäubung angewiesen.

 

Albert Einstein formulierte es schon 1949: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Mit unserem Antrag schlagen wir eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, die zum Einen die Imkerinnen und Imker und die Honigbienen fördern, zum anderen sind aber auch Maßnahmen vorgesehen, die den Wildinsekten zu Gute kommen.

Imkerinnen und Imker haben es mit dem Sterben der Bienenvölker nicht leicht. Im Winter 2011/2012 gab es durch die Varroa-Milbe Verluste in Höhe von 25 Prozent. Wir fordern, dass die Imkerinnen und Imker bei Tierverlusten eine Entschädigung erhalten, bisher werden sie mit dem Problem weitestgehend im Regen stehen gelassen.

Für die Landwirtschaft und die Biodiversität schaffen Imkerinnen und Imker wertvolle Leistungen, die aus unserer Sicht auch honoriert werden müssen. Schließlich tragen die Bienen zum Erfolg der Landwirtschaft bei. Die Bestäubungsleistung von Honigbienen wird mit mindestens 740 Euro pro Volk und Jahr bewertet. Wir fordern, dass im Rahmen der nächster Förderperiode aus dem ELER zumindest 200 € pro Bienenvolk gezahlt werden. Das wäre aus unserer Sicht ein angemessener Betrag, der die wichtigen Leistungen der größtenteils im Nebenerwerb tätigen Imkerinnen und Imker honoriert.

Damit die Bienen auch genug zu sammeln haben, bedarf es selbstverständlich auch eines ausreichenden Angebotes an Nektar und Pollen. Dieses ist in der ausgeräumten Agrarlandschaft stark zurückgegangen. Wo sind die Ackerwildkräuter und Blumenwiesen, die nicht nur den Insekten zu Gute kommen? Wir müssen alle Möglichkeiten im Rahmen der kommenden EU-Förderperiode ausschöpfen, um das Lebensraum- und Nahrungsangebot von Wildinsekten zu verbessern. Hierzu zählen zum Beispiel die Anlage von Blühstreifen oder Blumenwiesen, der Erhalt von Totholz oder die Anlage von Trockenmauern. Das Land sollte seiner Vorbildfunktion nachkommen und auf landeseigenen Flächen  entsprechende Maßnahmen durchführen, diesen Punkt habe ich im Entschließungsantrag von SPD und Linke vermisst.

Zum Entschließungsantrag der rot-roten Fraktionen möchte ich noch folgende Punkte ausführen:

Zum Punkt a: das Gesamtförderkonzept soll sich vorrangig auf die Gewinnung und Nutzung neuer Erkenntnisse und Methoden ausrichten. Forschung finden wir auch wichtig, wir setzen unseren Schwerpunkt aber auf tatsächlich spürbare Maßnahmen draußen in der Landschaft. Was bringt den Bienen und Wildinsekten geschriebenes Papier, das in der Schublade vergammelt?

Punkt b, den Wissenstransfer an die Imker durch geeignete Maßnahmen zu sichern sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Komme ich zum Punkt c: auch in der nächsten EU-Förderperiode sollen Agrarumweltmaßnahmen und Fördermittel eingesetzt werden, um die Lebensbedingungen der Bienen weiter zu verbessern. Das hört sich allerhöchstens nach Beibehaltung des Status Quo an, aber nicht nach der Ausschöpfung aller Möglichkeiten.

Danach werden Sie etwas konkreter. „Es sollen weitere Anreize geschaffen werden, um wieder mehr junge Menschen für den Imkerberuf zu begeistern.“ Hört sich erst einmal gut an, vielleicht können Sie in den Reden ja erläutern, welche konkreten Maßnahmen Sie damit meinen?

Die gleiche Frage habe ich zu Punkt d: es soll sichergestellt werden, dass Bienenschäden z.B. durch den Einsatz bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel vermieden werden. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie das sicherstellen? Ein Verbot, wir wir es fordern, wäre da doch die einfachste Maßnahme.

Alles in allem freuen wir uns, dass in ihrem Antrag zumindest Minimalforderungen vorgelegt wurden. Leider fehlen hier finanzielle Unterstützungen von Imkerinnen und Imkern und  auch Maßnahmen auf landeseigenen Liegenschaften.

Für die Bienen wäre es natürlich noch besser, wenn sie unseren Antrag wie vorgeschlagen gemeinsam mit ihrem Entschließungsantrag in den Ausschuss überweisen, um dort die einzelnen Punkte noch einmal ausführlich – auch unter Hinzuziehung von noch mehr Sachverstand – zu diskutieren.

Ich bitte also noch einmal um Zustimmung zur Überweisung des Antrags - damit es in unserem Land bald wieder mehr brummt und summt!

Vielen Dank.

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