Direkt zum Inhalt springen
Zum Inhalt springen
Rede | 18.06.20

Petra Budke spricht zum Antrag "Brandenburg vor dem Bildungsnotstand?""

- Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Abgeordnete, liebe Zuschauende,

bereits gestern haben wir über die Situation der Kinder und  Jugendlichen in dieser Krise debattiert. Denn sie sind die größten Leidtragenden. Und sollte es noch einmal zu einer vergleichbaren Situation kommen, so muss klar sein, dass Kitas und Schulen die letzten  Einrichtungen sind, die geschlossen werden!

Wir haben auch darüber gesprochen,  wie wir die Schulen für die Zukunft besser aufstellen können, um für zukünftige Krisen gewappnet zu sein. Wir wissen, dass wir dann mehr personelle und räumliche Kapazitäten brauchen und dass wir die Digitalisierung, Medienkompetenz und selbstorganisiertes Lernen fördern müssen.

Es lässt sich nicht leugnen, dass die vergangenen Wochen und Monate für alle Beteiligten eine sehr harte Zeit waren. Wir müssen auch überlegen, was die Krise mit den Kindern und Jugendlichen selbst gemacht hat und wie wir damit umgehen.

Wissen Sie noch, was der Nürnberger Trichter ist und welcher Bildungsbegriff sich dahinter verbirgt? Die Vorstellung, Lernen funktioniere einfach mechanisch und man könne den Wissensstoff einfach wie eine Maschine in die Köpfe hineinpressen.

Es kann jetzt nicht darum gehen, den Schülerinnen und Schülern versäumten Lernstoff möglichst schnell nachträglich "einzutrichtern", mit zusätzlichem Unterricht am Samstag, mit Sommerschulen oder sogar, wie von der AfD bereits mehrfach vorgeschlagen, mit der Wiederholung des ganzen Schuljahrs.

Einige Kinder sind von ihren Eltern sicher gut gefördert worden und haben große Fortschritte gemacht. Andere dagegen wurden abgehängt. Deshalb brauchen wir jetzt keinen Trichter, sondern Unterricht, der auf die individuellen Bedürfnisse eingeht und jede Schülerin und jeden Schüler da abholt, wo er oder sie gerade steht.

Es ist richtig, besondere pädagogische Angebote zu machen, für diejenigen, die Versäumtes nachholen müssen. Viel mehr noch aber brauchen wir Angebote, um den sozialen Austausch nach der langen Zeit der Isolation zu fördern und belastende Erfahrungen aufzuarbeiten.

Die reine Vermittlung von Fachwissen ist ein wichtiger Teil von Schule, aber bei weitem nicht der einzige. Unser Rahmenlehrplan geht von einem dynamischen und umfassenden Bildungsbegriff aus. Im Mittelpunkt steht die gesamte Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Es geht auch um kulturelle, lebenspraktische, persönliche und soziale Kompetenzen. Schülerinnen und Schüler sollen zur aktiven Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen befähigt werden.

Ich zitiere den Rahmenlehrplan: "Die Befähigung der Schülerinnen und Schüler zum Umgang mit Herausforderungen der heutigen Gesellschaft ist Aufgabe der Schule. "Die Bearbeitung aktueller Themen, die das  Leben der Schülerinnen und Schüler beeinflussen, ist explizit Bestandteil des heutigen Rahmenlehrplans, ebenso wie die Persönlichkeitsentwicklung.

In diesem Sinne ist es wichtig, mit welcher Haltung wir als Gesellschaft der Krise gegenübertreten. Zeigen wir uns mutlos oder packen wir die Probleme an?

Viele Lehrerinnen und Lehrer haben  sich in den letzten Wochen und Monaten ins Zeug gelegt, auch unter schwierigen Bedingungen ihrem pädagogischen Auftrag nachzukommen. Und  wenn sie ihren Job gut gemacht haben, dann haben sie den Kontakt gehalten und die Kinder und Jugendlichen nicht allein gelassen. Sie haben ihnen gezeigt, dass es Wege und Möglichkeiten gibt, Krisen zu bewältigen.

Auch unsere Kinder und Jugendlichen werden in ihrem Leben Krisen erleben, möglicherweise Krisen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.  Auch darauf muss Schule sie vorbereiten.

Wir haben hier im Land gezeigt, dass wir der Krise nicht hilflos gegenüberstehen. Die Coronazeit ist auch eine Zeit, um Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, wie man mit neuen Herausforderungen und Krisen  umgehen kann. Und dass man sie bewältigen kann!

 

 

Mehr zum Thema Bildung, Wissenschaft, Kultur