Direkt zum Inhalt springen
Zum Inhalt springen
Rede | 26.08.20

Isa Hiekel spricht zum Wasserhaushalt

- Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

Zur Einführung in das Thema "Wasserhaushalt" habe ich Ihnen heute eine brandaktuelle AMIGA-Schallplatte mitgebracht, nämlich den "Traumzauberbaum". Ein Ökomärchen, verpackt in Geschichtenlieder von Reinhard Lakomy und Monika Ehrhardt aus dem Jahr 1980.

Hier wird beschrieben, was bei uns heute leider Realität ist. Weil der Regen wegbleibt, trocknet der Bach am Traumzauberbaum aus. Der Baum wird krank und wäre fast gestorben. In letzter Minute wird das letzte Regen-Zauberblatt am Baum entdeckt und auf die Reise geschickt, damit es regnen kann. Und alles wird gut.

Auch wenn es in diesem Sommer mal etwas mehr geregnet hat und die brandenburger Landwirte eine halbwegs normale Ernte eingefahren haben - wir erleben seit drei Jahren eine außergewöhnliche Dürre.

In der Lausitz fehlt mittlerweile ein ganzer Jahresniederschlag. Das Wasserdefizit im Boden trifft besonders die Wälder. Bäume werden krank und sterben ab. Gewässer verschwinden. Das sollte ein Alarmzeichen für uns sein!

Bisher ist es selbstverständlich, dass wir Wasser in ausreichender Menge aus dem Wasserhahn ziehen können, nicht nur zum Trinken, Kochen, Duschen und Waschen.

Wir brauchen Wasser auch zur Bewässerung von Gärten, landwirtschaftlichen Flächen, zum Befüllen von Fischteichen, für Produktionsprozesse in Industrie und Gewerbe usw.

Und wir nutzen Gewässer für Freizeitaktivitäten und Tourismus.

Allen sollte klar sein: Ohne Wasser geht gar nichts!

Nun sendet der Klimawandel seine Signale.

Lange Trockenphasen mit hohen Temperaturen nehmen zu, besonders in Brandenburg mit seinem kontinental geprägten Klima. Höhere Temperaturen führen zur Verlängerung der Vegetationsperiode.

Die Vegetation verdunstet mehr und länger im Jahresgang. Es regnet weniger und wenn, dann vermehrt nur lokal.

Aber mit dem Regen fängt alles an.

Bevor das frische Nass im Wasserglas landet, muss es erst einmal vom Himmel fallen. Grundwasserneubildung ist das Zauberwort, in dem unsere Wasserreserven ihren Ursprung haben.

Für die Grundwasserneubildung sind vor allem die Hochflächen wichtig.

Wasser, das hier versickert, kann richtige Grundwasserberge aufbauen und dann langsam im Boden Richtung Niederungen ziehen.

Auf seinem Weg in die Niederungen speist das Grundwasser Bäche, Stillgewässer und Moore, die nicht nur Lebensraum und Orte der naturnahen Erholung sind, sondern auch Kühlzellen in unserer sich immer stärker erwärmenden Landschaft.

Grundwasserneubildung ist also wichtig, um unsere Wasserreserven immer wieder in ausreichender Menge aufzufüllen.

Je weniger es regnet, umso wichtiger ist es, die Grundwasserneubildung zu fördern. Das geht. 

Zum Beispiel durch die Umwandlung von Kiefernforsten in Laub- und Mischwälder, weil Laubbäume durch ihre Winterruhe viel weniger Wasser verbrauchen als Kiefern. Oder die Minimierung der Flächenversiegelung, um Versickerung zu fördern.

Genauso wichtig ist es aber auch, die Entwässerung der Hochflächen zu minimieren.

Fast alle Bäche sind über ihre natürlichen Quellgebiete hinaus in die Hochflächen hinein ausgebaut worden. Dadurch wird das Wasser schnell und effektiv abgeleitet, wenn es mal regnet. Nichts kann versickern und zur Grundwasserneubildung beitragen.

Unter dem Sammelbegriff "Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes" wurde bereits in den 90er Jahren damit begonnen, Entwässerungssysteme zurückzubauen, dort wo das mit der Land- und Forstwirtschaft vereinbar ist.

Wir müssen diesem Ansatz mehr Bedeutung beimessen und die bestehenden Förderprogramme und Maßnahmen hinsichtlich ihrer Praktikabilität und Effizienz evaluieren.

Wir müssen mehr Wasser in der Landschaft, insbesondere in den Hochflächen, zurückhalten, um die Vorräte in den Oberflächengewässern und im Grundwasser zu schützen.

Grundwasservorräte schützen ist das Stichwort. Wir dürfen nur so viel Grundwasser verbrauchen, wie sich erneuern kann, um die Wasserversorgung der heutigen und künftigen Generationen nicht zu gefährden.

Eine nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung - so der Fachbegriff aus der Wasserwirtschaft - muss sich also an den verfügbaren Reserven orientieren. Je weniger Niederschläge wir zu verzeichnen haben, je geringer die Grundwasserneubildung ist, um so wichtiger ist es, Wasserentnahmen hinsichtlich ihrer Erfordernisse und Prioritäten zu prüfen, zu bewerten und gegebenfalls auch zu versagen.

Angesichts der anhaltend sinkenden Grundwasserstände in Brandenburg stellt sich zum Beispiel die Frage, ob wir es uns leisten können, Mais für Biogasanlagen mit riesigen Bewässerungsanlagen zu beregnen, die Hunderttausende Kubikmeter Wasser pro Vegetationsperiode verbrauchen.

Aber es geht es nicht nur um die großen Wasserentnahmen, sondern auch um die Summe der vielen kleinen. Hier tut sich Handlungsbedarf auf, der nur in enger Zusammenarbeit des Landes mit den unteren Wasserbehörden zu händeln ist.

Auch wenn längst Forschungen zu trockenheitsresistenten Kulturen laufen und manche Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe andere Sorten erproben - unbestritten ist, dass in Gartenbau und Landwirtschaft unter dem Einfluss des Klimawandels künftig bewässert werden muss, um die Produktion von Lebensmitteln in ausreichender Menge und Qualität sicherzustellen.

Dafür sind effektive, wassersparende Bewässerungssysteme erforderlich. Hierfür wollen wir die Einrichtung von innovativen Pilotprojekten und die Ausweitung von Förderprogrammen unterstützen.

Sparsame Wasserverwendung und Wasserrückhalt sind also das Gebot der Stunde. Die Gewässerunterhaltungsverbände sind daher angehalten, in den Oberflächengewässern möglichst hohe Wasserstände einzustellen.

Was einerseits zur Durchfeuchtung der Böden beitragen soll, kann bei den häufiger werdenden lokalen Extremniederschlägen schnell zum Problem werden und besonders in den Niederungen zu Überflutungen führen.

Deshalb soll ein Programm zur Förderung intelligenter Steuerungstechnik an Stauanlagen eingerichtet werden, das eine schnelle und optimale Wasserstandsregulierung ohne erhöhten Personaleinsatz ermöglicht.

Sie sehen, das Thema um den Wasserhaushalt ist komplex. Es reicht nicht, die einzelnen Komponenten zu betrachten. Man muss sie verzahnen, die wasserwirtschaftlichen Grundlagen mit den gesellschaftlichen Anforderungen abgleichen, bewerten und Maßnahmen ableiten.

Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, ein Gesamtkonzept zur Stabilisierung des Wasserhaushaltes im Klimawandel zu erarbeiten. Dabei sollen die gesellschaftlichen Akteure wie die Wasserver- und Entsorger, die Gewässerunterhaltungsverbände, der Wasserverbandstag und der Kulturlandschaftsbeirat einbezogen werden.

Wir müssen aber auch das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit den Wasserressourcen in der Gesellschaft fördern. Deshalb soll das Gesamtkonzept auch eine Akzeptanzanalyse einschließen, auf deren Grundlage eine öffentliche Kampagne zur Begleitung von Maßnahmen zum nachhaltigen Umgang mit dem Oberflächenwasser und dem Grundwasser entwickelt werden kann. 

Nun, wir haben keinen Traumzauberbaum, der bei Bedarf ein Regenblatt auf die Reise schicken kann. Und ich glaube auch nicht, dass unser Umweltminister zu einem solchen mutieren kann, um die Dürre zu beenden.

Wir müssen uns also selbst helfen und darum bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Antrag zur Stabilisierung des Wasserhaushalts im Klimawandel.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Mehr zum Thema Natur- und Umweltschutz