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Rede | 26.08.20

Rede zu den Straßenverkehrsvorschriften

-Es gilt das gesprochene Wort!

 Sehr geehrte Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

Wie in allen anderen Lebensbereichen haben sich auch in der Landwirtschaft in den letzten Jahren große Veränderungen vollzogen. „Groß“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Konkurrenzdruck auf dem europäischen und auf dem Weltmarkt zwingt unsere Landwirte zu immer effektiveren Bewirtschaftungsweisen.

Das äußert sich auch in immer größeren landwirtschaftlichen Fahrzeugen, weil die einfach effektiver sind hinsichtlich Kraftstoffverbrauch, Fachkräfteeinsatz usw.  

Ich will jetzt nicht noch einmal auf die Probleme eingehen, die daraus für den öffentlichen Straßenverkehr erwachsen und die sich für die Landwirte ergeben. Darüber ist hier bereits ausführlich gesprochen worden. Wir wollen mit unserem Antrag kurzfristig Erleichterungen für die Landwirte schaffen und dafür bitten wir um Ihre Zustimmung. Soweit dazu.

Aber stellen sie sich mal vor, wir hätten diese ganzen Probleme nicht. Stellen sie sich mal vor, auf unseren Feldern wären kleine autonome Landmaschinen unterwegs – ferngesteuert über G5. Kleine Maschinen, die nicht nur kleine Schläge wirtschaftlich bearbeiten können, sondern zum Beispiel auch kleinräumige Unterschiede auf dem Acker wie Senken mit Staunässe oder trockene Kuppen berücksichtigen könnten. Das würde nach Meinung von Fachleuten zum Beispiel erlauben, mehrere unterschiedliche Kulturen auf einem Schlag anzubauen und sich entsprechend der standörtlichen Verhältnisse optimal anzupassen.

Was wäre das für ein Gewinn unter den Bedingungen des Klimawandels!

Wir müssten nicht diese riesigen Felder vorhalten, die dem Wind große Angriffsflächen bieten und über die der unbedeckte Humus davongetragen wird.

Was wäre es für ein Gewinn, wenn die großen Schläge durch Agroforstkulturen oder Hecken unterteilt werden könnten, um Windschutz zu bieten, Humus zu bilden und den auch festzuhalten.

Und was wäre das für ein Gewinn für die Artenvielfalt, wenn sich in diesen Strukturen aus Bäumen und Sträuchern wieder Feldhasen ansiedeln könnten, Rebhühner und Ortolane – ganz zu schweigen von der Insektenwelt, deren Gefährdung inzwischen offensichtlich ist.

Das mag jetzt alles etwas utopisch klingen, wenn man nach draußen schaut und die großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge in der Realität sieht, als gäbe es nichts anderes.

Aber so weit weg sind wir gar nicht mehr von den Konzepten mit autonomen Landmaschinen. Es ist unsere Aufgabe in der Politik, dafür die Weichen zu stellen.  

Heute wollen wir erstmal kurzfristige Erleichterungen für unsere Landwirte beschließen. Aber mittelfristig müssen wir uns auch den mehr zukunftsorientierten Themen widmen, wenn unsere Landwirtschaft unter den Bedingungen des Klimawandel konkurrenzfähig sein soll.

Und für alle, die das jetzt als Träumerei abtun, möchte ich meine Rede mit einem Zitat der amerikanischen Journalistin Gloria Steinem beenden:

„Zu träumen ist auch eine Art des Planens.“

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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