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Rede | 13.06.19

Ursula Nonnemacher spricht zum Antrag der Fraktionen SPD und DIE LINKE „Umsetzung von gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen im Land Brandenburg forcieren!“

- Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede!

Beim vorliegenden Antrag ist nicht ganz klar, ob man lachen oder weinen soll. Da beschließen die Koalitionsfraktionen im September des vergangenen Jahres, also vor neun Monaten, das Konzept zur Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes im Land Brandenburg. In dem heute zur Debatte stehenden Antrag soll der Landtag dann erneut über zentrale Forderungen aus diesem jüngst beschlossenen Konzept abstimmen. Eigentlich könnte ich ja auch meine damalige Rede noch einmal halten. Trotz der Versuchung mache ich das aber nicht. Stattdessen nehmen wir positiv zur Kenntnis, dass das Thema gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen für die Koalitionsfraktionen und die Landesregierung ein wichtiges Thema ist.

Vielleicht sind die Fraktionen von SPD und Die Linke aufgeschreckt angesichts des hohen Krankenstandes in der Brandenburger Landesverwaltung. Das wäre nachvollziehbar, und es wäre die zwar viel zu späte, aber dennoch richtige Reaktion. Wie erschreckend hoch die Anzahl der Krankentage ist, zeigt die Antwort auf die Kleine Anfrage der CDU-Fraktion vom März. Vielleicht sind sie auch aufgeschreckt über die - freundlich ausgedrückt - kontroverse Debatte um die Entscheidung, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur nach Cottbus zu verlegen. Beide Aspekte werfen kein gutes Licht auf die Arbeitskultur, die Würdigung und Förderung von Beschäftigten in der Brandenburger Landesverwaltung. Dabei hatte die Landesregierung nicht erst zum Zeitpunkt des erwähnten Beschlusses die Relevanz von intelligenter Personalentwicklung erkannt: Im Januar 2016 fassten die Regierungskoalitionen den Beschluss zur Gründung des Brandenburger Bündnisses für gute Arbeit. Viele richtige Impulse, darunter die Etablierung einer Präventionskultur, wurden dort gesetzt. Hier hätte ein selbstkritischer Blick auf den eigenen Laden mit Sicherheit schon etwas gebracht. Der blieb offenbar aus. Und damit wurde viel wertvolle Zeit vertan.

Wir haben schon oft gesagt, vor allem wenn es um die Fachkräftebindung im Gesundheitswesen ging, dass sich jüngere Menschen neben einem attraktiven Gehalt vor allem eine andere Arbeitskultur wünschen. Sie wünschen sich mehr Mitspracherechte beispielsweise über das Wieviel, Wann und Wo ihrer Arbeitsleistung. Sie möchten in Teams mit flachen Hierarchien arbeiten und mehr Entscheidungskompetenzen haben. Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Übrigen deutlich weniger krank. Auch das sind keine brandneuen arbeitswissenschaftlichen oder gar exklusiv bündnisgrünen Erkenntnisse. Auch das ist alles hinreichend lange bekannt. Dennoch werden diese wichtigen Faktoren durch den vorliegenden Antrag nicht operationalisiert, ja sie werden erst gar nicht erwähnt. Dabei wäre das ein echter Bonus zum Konzept der Attraktivitätssteigerung im Öffentlichen Dienst gewesen.

Gute Arbeitsbedingungen führen aber nicht nur zu einer Reduzierung von Fehltagen. Gute Arbeitsbedingungen führen auch zu besseren Ergebnissen, zu kreativeren Lösungen, zu einer höheren Identifikation der Beschäftigten mit ihrer Arbeitsaufgabe. Alles Dinge, die man sich für Landesbehörden wünscht. Der Minimalkonsens ist jedoch sicher: Arbeit darf nicht krankmachen. Neue Erkenntnisse, warum sie das in der Brandenburger Verwaltung möglicherweise tut, haben wir heute leider nicht gewonnen. Nur das ungute Gefühl, dass die Landesregierung bei diesem Thema offenbar eine dringende Erinnerung braucht.

Wir stimmen dem Antrag deswegen zu, genauso wie wir letzten September dem Konzept zur Steigerung der Attraktivität im Öffentlichen Dienst zugestimmt haben. Doppelt hält besser!

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28.08.2019 | Pressemitteilung

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