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Rede | 13.03.19

Marie Luise von Halem spricht zum Bericht der Landesregierung "Begabungs- und Begabtenförderung in den Schulen des Landes Brandenburg - gemäß Beschluss des Landtages Brandenburg vom 1. Juni 2018 (Drucksache 6/8795[ND]-B)"

- Es gilt das gesprochene Wort!-

Wer in Deutschland Gold schürfen will, habe ich mir sagen lassen, muss nicht nur wissen, in welchen geologischen Formationen das überhaupt Sinn hat, sondern in aufwendigen Prozessen Sand und Sediment und Steinchen waschen und schwenken und begutachten, um vielleicht Goldkörnchen zu finden. So ähnlich ist das mit der Begabungsförderung – denn besondere Begabungen, musisch, motorisch und/oder intellektuell, gehen nicht zwangsläufig mit besonderer Leistung einher und sind deshalb nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

In dem vorliegenden Bericht können wir lesen, was es in Brandenburg alles für tolle Projekte und Maßnahmen gibt. Großartig – für diejenigen, die das Glück haben, davon profitieren zu dürfen!

Was aber, wenn die Goldkörnchen nicht sichtbar werden?

Denn selbst die Landesregierung schreibt im Bericht (S. 40): „Insgesamt wäre es notwendig, die Maßnahmen zur individuellen Förderung von besonders begabten und leistungsstarken Schülerinnen und Schülern in allen drei Phasen der Lehrerbildung höher zu gewichten, um eine breite Expertise zur inklusiven Begabtenförderung in Regelklassen aufzubauen.“ Das ist und bleibt der zentrale Knackpunkt: Wenn die Lehrkräfte eine Begabung nicht erkennen, können sie diese auch nicht fördern. Das Erkennen ist also der Schlüssel zum Erfolg!

Die Ausbildung zu ändern, insbesondere für Grundschullehrkräfte, ist dringend geboten. Je früher eine Begabung erkannt wird, desto besser kann sie gefördert werden. Davon profitierten dann - ganz im Sinne der Inklusion - auch alle Kinder!

Aber die Veränderung der Ausbildung reicht nicht, wegen der Seiteneinsteiger*innen und der vielen Pädagog*innen, die ihre Ausbildung zu einer Zeit absolviert haben, als mit Heterogenität noch anders umgegangen wurde. Was dazu heute an Fortbildung angeboten wird, ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Uni Potsdam hat ein Konzept zum Umgang mit Heterogenität vorgelegt, das die Defizite beseitigen könnte. Das Ministerium hat sich dazu noch nicht verhalten. Das passt zu dem vorliegenden Bericht: Denn Perspektiven für die Zukunft der Begabungsförderung hätte die Landesregierung laut dem zugrunde liegenden Beschluss aufzeigen sollen. Statt dessen erschöpft sie sich in Bestandsanalyse und Auflistung von Einzelmaßnahmen. Und in die Leistungs- und Begabungsklassen werden weiter Ressourcen gepumpt, obwohl sie extrem ungerecht verteilt sind und die Aufnahme mit Begabung oft nichts zu tun hat.

Wir müssen das System Schule in der ganzen Breite dahingehend stärken, das Potential eines jeden einzelnen Kindes früh zu erkennen und individuell zu fördern. Nur wenn wir die Goldkörnchen alle finden, werden wir den Kindern in ihrer Unterschiedlichkeit gerecht. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

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