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Rede | 09.06.16

Ursula Nonnemacher spricht zu unserem mit SPD und DIE LINKE gestellten Antrag „Aktionsplan für Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, für Selbstbestimmung und gegen Homo- und Transphobie in Brandenburg“

- Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede!

Ich freue mich, dass wir hier im Landtag einen gemeinsamen Antrag für mehr Vielfalt und Akzeptanz, für die Förderung einer lebendigen, bunten und aufgeschlossenen Brandenburger Gesellschaft stellen. Einen Antrag gegen die verstärkte homofeindliche Mobilisierung sowie queer- und genderfeindliche Hetze in Teilen unserer Gesellschaft- und auch hier im Landtag. Für uns gibt es nur eine Antwort: Hass und Hetze gegenüber Minderheiten hat keinen Platz in unserer demokratischen Gesellschaft.

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten im Alltag von Lesben und Schwulen zum Besseren gewendet, und das ist ganz eindeutig das Verdienst der Mitglieder der Community und auch der Parteien mit progressiver Agenda. Viele strukturelle Diskriminierungen wurden abgebaut, viele Vorurteile entkräftet und viele Verkrustungen aufgebrochen. Es gibt jedoch ebenso viel, was unsere Gesellschaft immer noch ignoriert oder totschweigt. Wir finden, das darf nicht sein, und das wollen wir mit dem Aktionsplan ändern.

Zum Beispiel fragen wir uns: Warum wissen wir so wenig über die Gewalt- und Diskriminierung gegen Lesben, Schwule und Trans-Personen? Die wenigen Angaben, die wir zu Homo- oder Transfeindlichkeit gefunden haben, zeigen, dass es allein unter Brandenburger Schüler*innen im Zeitraum von anderthalb Jahren 431 Meldungen über Diskriminierungsvorfälle aufgrund der sexuellen Identität gab. Wir fragen uns daher auch: Wie gehen wir eigentlich mit den Themen Homo-, Trans- oder Intersexualität bei jungen Menschen um? Für sie brauchen wir verschiedene Aufklärungsprojekte in Jugend- und Bildungseinrichtungen, die über nicht-heterosexuelle Lebensweisen aufklären- und diese brauchen wir flächendeckend. Weil wir nicht wollen, dass die Stimmen der GegnerInnen einer offenen Gesellschaft dominieren. Sie bauen bewusst ein Angst- und Drohszenario auf, indem sie Wörter wie Gender, Sexualaufklärung, Erziehung zu Akzeptanz verschiedener Lebensformen abwertend einsetzen und sich jeder rationalen Diskussion entziehen. Kinder sollen Vielfalt als Chance und Bereicherung erkennen, nicht als Bedrohung. Noch viel wichtiger ist uns, dass nicht-heteronormative Kinder angstfrei in Brandenburg aufwachsen können. Bildung ist der sicherste Schutz vor Hass und Intoleranz!

Aber nicht nur in der Schule, sondern überall gilt: Wo Menschen in Kontakt sind, miteinander reden oder sich miteinander für etwas einsetzen, gibt es weniger Vorurteile. Wir wollen deshalb mit dem Aktionsplan auch Religionsgemeinschaften und Sportvereine ebenso wie Migrant*innenverbände und Jugendverbände dazu ermutigen, Lesben, Schwule und Trans*-Menschen als selbstverständlichen Teil ihrer Gemeinschaft anzuerkennen. Mindestens solange es dieses Selbstverständnis noch nicht gibt, brauchen wir verlässlich finanzierte Selbsthilfestrukturen. Wir brauchen mehr Angebote im ländlichen Brandenburg, und für verschiedene Zielgruppen. Wir hoffen, dass durch den Aktionsplan mehr Beratungsangebote für trans- und intersexuelle Menschen entstehen, aber auch für LSBTTIQ*-Kinder, Heranwachsende und deren Eltern.

Die bereits aktiven Verbände und Vereinen wollen wir an der Entwicklung des Aktionsplans beteiligen. Die, die schon immer viel gemacht haben und eine Förderung erhielten, genauso wie die, die bisher vielleicht auch mal übersehen wurden, denn eine freie, friedliche und demokratische Gesellschaft ist die Aufgabe vieler verschiedener gesellschaftlich progressiver Kräfte. Ein Maßnameplan für mehr Vielfalt und Akzeptanz ist ein klares Signal: Wir zeigen in diesem Land keine Toleranz bei Intoleranz! Wir bitten alle, die für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft eintreten, um Zustimmung zum vorliegenden Antrag.

 

Der Antrag wurde angenommen.

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