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Rede | 11.03.16

Ursula Nonnemacher spircht zum Antrag der CDU-Fraktion „Zielgerichtet gegen Drogen“

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Anrede!

Leider sind wir alle und unsere Kinder täglich mit dem Konsum von Drogen konfrontiert. Besonders auffällig wird das, wenn wir erfahren, dass bekannte Personen wie Michael Hartmann oder Volker Beck gefährliche illegale Drogen wie Crystal Meth konsumieren. Deutlich unauffälliger ist, dass viele Kinder und Jugendliche ihren Eltern und anderen Erwachsenen täglich beim Konsum legaler Drogen zusehen. Die Zahlen sprechen für sich: Ein Viertel aller erwachsenen Brandenburger*nnen konsumiert Alkohol in riskanten Mengen und immer noch rauchen 20% der Erwachsenen täglich Zigaretten. Die gesundheitlichen Folgen durch Alkohol- und Tabakkonsum sind schwer. Auch Cannabis, die dominierende illegale Droge, verursacht bei riskantem Gebrauch gesundheitliche Schäden. Cannabis wird von ungefähr 2% der Erwachsenen täglich konsumiert. Relativ neu ist die illegale Droge Crystal Meth, die zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führt. Es ist klar: Wir müssen weiter engagiert daran arbeiten, die Folgen riskanten Drogengebrauchs für den Einzelnen, aber auch für unsere Gesellschaft zu reduzieren.

Deswegen können wir nachvollziehen, dass die CDU-Fraktion diesen Antrag gestellt hat. Wir sind ganz bei der CDU, wenn sie den Blickwinkel auf den Substanzkonsum von Kindern und Jugendlichen legt, denn ganz viele Jugendliche experimentieren mit Drogen. Zum Glück bleibt es für die meisten bei einem einmaligen Ausprobieren. Andere, besonders Jugendliche aus prekären Lebensverhältnissen, laufen Gefahr, dauerhaft auf eine riskante Weise zu konsumieren. Deshalb gehören Experten zum Thema Sucht an jeden Runden Tisch zur Kinderarmut!

Wichtig ist eine faktenorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema Drogen, sind zuverlässige Daten. Davon gibt es aber schon eine ganze Menge. Zu den zuverlässigen Informationsquellen gehören unter anderem der Brandenburger Suchtmittelbericht, sowie die regelmäßig veröffentlichten Ergebnisse der Befragung von 16-Jährigen- „BJS Brandenburger Jugendliche und Substanzkonsum“- und auch die Langzeitstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts. Deswegen stimmen wir der CDU-Fraktion nicht in der Forderung zu, parallel dazu eine weitere Studie in Auftrag zu geben. Wir finden, das Geld sollte besser in Präventions- und Hilfsangebote gesteckt werden. Wir wissen nämlich schon jetzt: Bis zu 30% der Jugendlichen wünschen sich eine Reduzierung ihres Alkohol-, Tabak- oder Cannabiskonsums. Darüber müssen wir sprechen!

Zusätzlich zu diesen drei dominierenden Drogen werden jetzt die dramatischen Auswirkungen des Crystal Meth Konsums vor allem im Südosten Brandenburgs bekannt. Wir haben uns im Sozialausschuss darüber in zwei Sitzungen berichten lassen und gelernt, dass einiges Wissen bereits vorhanden ist. Zahlen werden hoffentlich auch bald kommen, denn der Brandenburger Suchtmittelbericht soll ab 2016 das Crystal-User-Verhalten umfassen. Wir fänden es sinnvoll, wenn die Landesregierung aus den jetzt vorhandenen Fakten einen „Aktionsplan Crystal" entwickelt. Der Aktionsplan muss Ansätze für die im Vergleich zu anderen gefährlichen Drogen sehr unterschiedlichen User-Gruppen enthalten. Die Substanz ist aufgrund ihrer leistungssteigernden Wirkung für beruflich stark geforderte Menschen interessant, für Alleinerziehende, für junge Menschen. Sie wirkt sexuell stark enthemmend, viele junge Frauen werden dadurch ungewollt schwanger. Ihre Kinder sind besonders gefährdet. Der Aktionsplan kann auch eine enge Kooperation zwischen Suchthilfe und Jugendhilfe erreichen, um diese Kinder besser zu schützen.

Wir sehen deshalb nicht die Erstellung einer neuen Studie als vordringlich an, sondern wollen aus den sich verdichtenden Daten der schon vorhandenen Erfassungssysteme Angebote für Prävention und Therapie entwickeln.

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