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Kleine Anfrage | 27.04.10

Zustand und Pflege des FFH-Gebietes „Wittstock-Ruppiner Heide“

>> Die Kleine Anfrage und die Antwort der Landesregierung als pdf

(Nr. 341 – Michael Jungclaus) Die Wittstock-Ruppiner Heide ist ein naturschutzfachlich höchst bedeutsames Gebiet in Brandenburg. Die - derzeit noch ungewisse - zukünftige Nutzung des Geländes wird auch den Zustand von Fauna und Flora beeinflussen.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie bewertet die Landesregierung den naturschutzfachlichen Wert der Wittstock-Ruppiner Heide, und was unternimmt sie, um diesen Wert zu erhalten?
2. Laut Aussage der Bundesregierung gegenüber der EU-Kommission sind die im Gebiet befindlichen geschützten Biotope durch militärische Nutzung entstanden und würden durch diese Nutzung erhalten. Kann die Landesregierung diese Aussage bestätigen?
3. Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 27. März 2009 hat das Bundesministerium der Verteidigung seine Absicht, das Gelände als Luft-Boden-Übungsplatz zu nutzen, durch Verzicht auf Revision aufgegeben. Sind damit die durch militärische Nutzung entstandenen und erhaltenen geschützten Biotope gefährdet bzw. durch welche Biotop-Pflegemaßnahmen können diese erhalten werden, und wird die Landesregierung diese ergreifen?
4. Durch natürliche Entwicklung (Sukzession) verändern sich Lebensräume. In welchem Abstand werden diese Vorgänge in der Wittstock-Ruppiner Heide kontrolliert, und wer führt diese Erfassungsarbeiten auf welche Weise (Begehung, Luftbildauswertung oder andere) aus?
5. Welche Flächenanteile hatten die wertgebenden Biotoptypen
- Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis (2330)
- Trockene Sandheiden mit Calluna und Genista (2310)
- Trockene, kalkreiche Sandrasen (6120)
- Trockene europäische Heiden (4030)
am Gesamtgelände des sog. „Bombodroms“ und speziell des Fauna-Flora-Habitat-(FFH-) Gebietes bei der Erstkartierung, um das Jahr 2000 und bei der letzten Erhebung?
6. Wie stimmt die Bundeswehr biotoperhaltende Maßnahmen und deren Durchführung mit den zuständigen Naturschutzbehörden ab? Welche Maßnahmen mit welchem Flächenumfang sind in welchem Jahr in den letzten zehn Jahren durchgeführt worden?
7. Welche Kosten entstehen der Bundeswehr durch diese Tätigkeiten?
8. Welche Arten der aktuellen Roten Listen Brandenburgs wurden in der Wittstock-Ruppiner Heide nachgewiesen, und wie haben sich die Bestände dieser Arten seit 1990 entwickelt?
9. Wie schätzt die Landesregierung die Munitionsbelastung der Flächen aktuell ein und in wieweit steht diese eventuellen Biotoppflegemaßnahmen entgegen?
10. Sind den Naturschutzverwaltungen Handlungsdefizite der Bundeswehr bei der Biotoppflege und beim Artenschutz in der Region bekannt, und wenn ja, wie kann ggf. eine Änderung bewirkt werden?
11. Wie entwickelte sich der Grundwasserstand des Gebietes seit 1990 und welche Werte wurden dazu erhoben?
12. Die Wittstock-Ruppiner Heide ist Quellgebiet einiger Fließgewässer, die ebenfalls den Status eines FFH-Gebietes tragen (Oberes Temnitztal, Brausebach als Dosse-Zufluss, in weiterem Sinne auch Kunster). Sind diese Gewässer durch militärische Altlasten oder Versiegen der Quellen infolge Grundwassermangel gefährdet? Welche Gegenmaßnahmen sind möglich oder bereits in Angriff genommen? Werden im Zuge der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie dort Maßnahmen ergriffen, und wenn ja, welche?
13. Würde die Landesregierung im Falle der endgültigen Freigabe des Territoriums des ehemals geplanten Truppenübungsplatzes Wittstock die Nutzung von Teilen des Gebietes für Zwecke regenerativer Energiegewinnung befürworten? Wenn nein, warum nicht, wenn ja, wie soll diese Nutzung planungsrechtlich gesichert werden?

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