Direkt zum Inhalt springen
Zum Inhalt springen
Kleine Anfrage | 28.09.12

„Zukunft des Historisch-Technischen Museums Heeresversuchsstelle Kummersdorf“

>> Die ausführliche kleine Anfrage und die Antwort der Landesregierung als PDF-Datei.

(Nr. 2421 — Michael Jungclaus) Die einstige Heeresversuchsstelle Kummersdorf war eine der vielleicht vielfältigsten Militärtechnik-erprobungsstellen der Welt. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege hat deshalb einen Großteil des Areals als größtes technisches Denkmal Brandenburgs unter Schutz gestellt. Zunächst wurde das Areal als Entwicklungs- und Erprobungsstätte für Militärtechnik genutzt, später als sowjetischer Militärflugplatz. Die Militärische Nutzung endete im Jahr 1994. Sie hatte zur Folge, dass sich hier eine sehr wertvolle Naturausstattung erhalten und entwickeln konnte. Bereits heute stehen große Teile der Kummersdorfer Heide und des Breiten Steinbusches unter Naturschutz, wie z. B. der Teufelssee, eines der ältesten Naturschutzgebiete Brandenburgs.

Das Historisch-Technische Museum beschäftigt sich seit dem Jahr 1990 mit der Aufarbeitung der Geschichte der Gemeinde Kummersdorf-Gut und der dazugehörigen ehemaligen Heeresversuchsstelle. Das Museum ist ein erster Schritt für die touristische Erschließung des Geländes. Ziel ist es, das einst ausschließlich militärischen Zwecken vorbehaltene Gebiet unter Beachtung des Natur- und Denkmalschutzes als „Museum in der Natur“ zugänglich zu machen. Seit 1996 verdeutlichen Ausstellungen und Führungen die historischen Zusammenhänge, die das Areal geprägt haben. Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit Krieg, dessen Vorbereitung und Folgen.

Seitdem das Land über die Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und –verwertung mbH (BBG) am 01.03.2012 Eigentümer des Geländes geworden ist, darf das Gelände aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht mehr betreten werden. Folglich sind keine Führungen mehr möglich, womit auch die Einnahmen entfallen, aus denen der Verein bisher den Grundbetrieb des Museums finanzierte. Grund ist die Forderung des Landes nach einer Vereinshaftpflichtversicherung mit einer detaillierten Auflistung der Gefahren, welche seitens des Versicherers noch nicht ausgestellt wurde.

Zur Zukunft des Geländes wird in Kürze eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben, die vom Bund finanziert, aber vom Land europaweit ausgeschrieben wird.

Ich frage die Landesregierung:

  1. Welche Kriterien und Inhalte werden der Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie zugrunde gelegt?
  2. Wie und wann wird die Machbarkeitsstudie veröffentlicht werden?
  3. Welche Möglichkeiten sieht das Land, den Vereinsmitgliedern kurzfristig den Zugang zum Gelände wieder zu gewähren?
  4. Welche gesetzlichen Regelungen und Gerichtsurteile bestehen hinsichtlich der Tiefe der Munitionsberäumung?
  5. Worin liegen die spezifischen Gefährdungsunterschiede zu anderen belasteten Gebieten, wie z. B. der Döberitzer Heide?
  6. Beabsichtigt das Land die gesamte Fläche zu beräumen oder folgt es der Konzeption der Projektgruppe, wonach sich die Räumung auf die von der Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen genutzten Wege und Plätze beschränkt?
  7. Wer ist in der Landesregierung für die Fläche zuständig?
  8. Wie kommunizieren die zuständigen Ressorts bezüglich der Entwicklung des Geländes miteinander?
  9. Wie wird der Förderverein Historisch-Technisches Versuchsstelle Kummersdorf  e.V., eingebunden? Wenn er nicht eingebunden sein sollte, warum nicht?
  10. Wie positioniert sich die Landesregierung zum Bau von Windkraftanlagen, die aus optischen und damit museumsdidaktischen Gründen vom Förderverein abgelehnt werden?
  11. Würden die Pachteinnahmen einer auf dem Gelände errichteten Photovoltaikanlage genügen, um das Museum ausreichend zu finanzieren?

Mehr zum Thema Verkehr und Infrastruktur, Natur- und Umweltschutz