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Kleine Anfrage | 07.06.13

Schutz von bedrohten Ackerwildkräutern in Brandenburg

>> Die Kleine Anfrage und die Antwort der Landesregierung als pdf

(Nr. 2945 – Sabine Niels und Michael Jungclaus) Landschaftsbild prägende Ackerwildkräuter wie Kornblume, Mohn und Kamille sind seit vielen Jahrhunderten Begleiter der Nahrungsmittelerzeugung auf den Äckern. Viele, v.a. weniger auffällige Arten, haben aufgrund zunehmenden wirtschaftlichen Drucks auf die Landwirtschaft und daraus resultierender Intensivierung im Bestand drastisch abgenommen, so dass die Artenvielfalt auf den Feldern stark gesunken ist. Ursachen sind neben dem weiter steigenden Agrochemikalieneinsatz  früher Stoppelumbruch und die Aufkalkung, Düngung und Drainage. Heute steht jede zweite Ackerwildkraut-Art in mindestens einem Bundesland Deutschlands auf der Roten Liste. Für viele Tierarten wie (Wild-) Bienen und Schmetterlinge, die direkt oder indirekt auf Ackerwildkräuter als Nahrungsquelle angewiesen sind, bietet die ausgeräumte Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr. Entsprechend stark ist auch die Vielfalt der Tierwelt der Äcker zurückgegangen. Seit über 50 Jahren gibt es Bemühungen zum Schutz selten werdender Ackerwildkräuter, doch sind die erfolgreichen Ackerrandstreifenprogramme der 80er Jahre nicht im gleichen Umfang weiter geführt worden. Viele Feldflorareservate in der ehemaligen DDR haben die deutsche Wiedervereinigung nicht überlebt. Seit 2009 befindet sich das Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in der Umsetzung. Im vergangenen Jahr ist es gelungen, aus Sicht des Ackerwildkrautschutzes einen der wertvollsten Ackerflächen Brandenburgs nördlich von Müncheberg langfristig zu sichern, der in ungebrochener Nutzungstradition ohne Agrochemikalien bewirtschaftet wurde und damit einen einmaligen Ackerwildkrautbestand aufweist. In Zusammenarbeit der DVL-Koordinierungsstelle Brandenburg, dem Naturpark Märkische Schweiz und dem Landschaftspflegeverband „Mittlere Oder“ konnte im Rahmen einer Kompensationsmaßnahme die ökologische Bewirtschaftung von 6,5 ha Ackerland für die nächsten 25 Jahre durch den regionalen Öko-Betrieb WaldPferde-Hof in Dahmsdorf bei Müncheberg vertraglich gesichert werden. Die Ackerflächen sind  dennoch durch Agrochemikalien- und Düngemitteleinträge von angrenzenden Ackerflächen bedroht. In diesem Jahr sollen angrenzende Flächen durch die BVVG per freien Ausschreibung privatisiert werden, wodurch die Chance besteht, auch diese zwecks Pufferung von Stoffeinträgen in Zukunft ökologisch zu bewirtschaften. Die derzeitigen Kaufpreise lassen sich aber nicht mehr über eine umweltverträgliche Bewirtschaftung refinanzieren.

Ich frage die Landesregierung:

1. Welche Bedeutung misst die Landesregierung dem Schutz bedrohter Ackerwildkräuter und dem Programm „100 Äcker für die Vielfalt" bei?

2. Wo befinden sich in welcher Größe in Brandenburg weitere diesbezügliche Schutzäcker bzw. schutzwürdige Bestände von Ackerwildkräutern? Wie wird deren naturschutzgerechte Bewirtschaftung finanziert? Wie ist ihr Erhaltungszustand und welche negativen Einflüsse bzw. Entwicklungen drohen, insbesondere beim o.g. Schutzacker?

3. Welche Möglichkeiten bestehen auf Flächen, die sich im Eigentum des Landes, des Bundes oder der BVVG befinden, den Schutz der Ackerwildkräuter mittels  Pachtvereinbarungen zu fördern? In welcher Form sollen in der neuen Förderperiode die Agrarumwelt- und Kulturlandschaftprogramme Brandenburgs den Schutz der Ackerwildkräuter berücksichtigen?

4. Wie bringt sich der Naturschutzfonds Brandenburg derzeit zum Schutz von bedrohten Ackerwildkräutern ein und wie kann er sein diesbezügliches Engagement verstärken?

5. Können besonders naturschutzfachlich hochwertige Flächen im Eigentum der BVVG im Einzelfall auch außerhalb des Programms "Nationales Naturerbe" an die öffentliche Hand oder Naturschutzstiftungen und -verbände übertragen werden? Wenn ja, unter welchen Bedingungen?

6. Wieso hat das Land bei Rückfrage der BVVG bezüglich des Kaufs o.g. naturschutzfachlich hochwertiger Flächen kein Interesse signalisiert, so dass diese nun wahrscheinlich an den höchst Bietenden verkauft wird?

7. Wie viele Kaufangebote von naturschutzfachlich wertvollen Flächen hat das Land seit 2000 (von der BVVG) abgelehnt? Bitte Auflisten nach Landkreis, Flächengröße, Lebensraumtyp, Kaufsumme und Grund.

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