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Kleine Anfrage | 23.08.12

Folieneinsatz im Spargelanbau in Brandenburg

>> Die Kleine Anfrage und die Antwort der Landesregierung als PDF-Datei.

(Nr. 2323 — Marie Luise von Halem und Sabine Niels) In der Bevölkerung des Amtes Beetzsee gibt es erheblichen Unmut über den flächendeckenden Folieneinsatz im großflächigen Spargelanbau. Kritisiert wird nicht der Spargelanbau an sich, sondern insbesondere die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes im Landschaftsschutzgebiet (LSG). In den Gemarkungen Mötzow und Grabow sind in etwa die Hälfte der Felder mit Spargel bestellt. Diese Flächen sind oft bereits von November bis einschließlich Juni durchgehend und großflächig mit Folien überzogen. Neben den erheblichen optischen Beeinträchtigungen sind gravierende Auswirkungen auf die Vogelwelt in diesem dem Europäischen Vogelschutzgebiet „Mittlere Havelniederung“ angehörenden Gebiet dokumentiert. Das alljährliche Monitoring zur Erfassung aller Brutvögel in den Gemarkungen Mötzow und Grabow zwischen 1999/2001 (vor dem Spargelanbau) und 2009/2012 (mit großflächigem Spargelanbau unter Folie) ergab das Verschwinden von fünfzehn Arten der Roten Liste Brandenburgs sowie des Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie. Bei neun bedrohten Arten der Listen reduzierten sich die Brutbestände auf 10 bis 20 Prozent im Vergleich zum Zeitraum vor dem Spargelanbau unter Folie. Im ausgewiesenen Großtrappenschongebiet südlich von Grabow findet auf den Äckern mittlerweile überwiegend Spargelanbau unter Folie statt. Eine letzte Brut von Großtrappen fand dort im Jahr 2006 statt. Seitdem meidet die Art die Region. Der örtliche Imkerverband berichtet von außergewöhnlich hohen Verlusten von Bienenvölkern in der Region Mötzow gegenüber anderen Umlandregionen der Stadt Brandenburg an der Havel. Der Verband führt die hohen Verluste auf den intensiven Spargelanbau mit Folieneinsatz zurück. Anwohner berichten darüber hinaus von Heckenrodungen an Ackerrainen durch den örtlichen Agargroßbetrieb, um bessere Zufahrten zu den Äckern zu sichern, sowie über Wegebau mit Recyclingmaterialien. Feldgehölze sollen durch den Großbetrieb zur Anlage von Spargelfeldern gefällt worden sein.

Ich frage die Landesregierung:

  1. Inwieweit ist der in den Gemarkungen Mötzow und Grabow praktizierte großflächige Spargelanbau mit dem Begriff der ordnungsgemäßen Landwirtschaft gemäß §11 BbgNatschG vereinbar?
  2. Welche Untersuchungen und Erkenntnisse sind der Landesregierung über die Auswirkungen des großflächigen Folieneinsatzes im Spargelanbau auf die Tierwelt insbesondere der Insekten und Vögel bekannt?
  3. Inwieweit sind der Landesregierung die oben genannten Verluste in der Artenvielfalt der Vogelwelt im Amt Beetzsee bekannt und worauf führt sie diese zurück?
  4. Inwieweit sind für den Spargelanbau in einem LSG bzw. Vogelschutzgebiet artenschutzrechtliche Befreiungen gemäß BbgNatSchG durch die Landesregierung notwendig bzw. erteilt?
  5. Wie lässt sich der großflächige Spargelanbau in den Gemarkungen Mötzow und Grabow mit dem Status und dem Beschluss der Landesregierung vom 6. Juli 2004 zum europäischen Vogelschutzgebiet (SPA) „Mittlere Havelniederung“ vereinbaren?
  6. Welche Schlussfolgerungen zog die Landesregierung aus dem Gutachten zum SPA „Mittlere Havelniederung“ von 2005?
  7. Welche Maßnahmen wurden konkret seitdem ergriffen bzw. sind geplant?
  8. Wie vereinbart sich der Spargelanbau unter Folie mit dem Schutzstatus des Großtrappenschongebietes Grabow?
  9. Welche Maßnahmen zum Schutz der Großtrappe wurden seit der letzten belegten Großtrappenbrut in der Gemarkung ergriffen bzw. sind geplant?
  10. Einige Bundesländer wie z.B. Mecklenburg-Vorpommern fördern mittels Agrarumweltprogramm Blühflächen oder Blühstreifen zum Schutze der biologischen Vielfalt. Plant die Landesregierung in der nächsten EU-Förderperiode die Auflage eines entsprechenden Agrarumweltprogramms? Wenn nein, warum nicht?
  11. Welche Möglichkeiten zur Beauflagung der Anlage von Blühstreifen zwischen mit Folien bedeckten Äckern gibt es in Brandenburg, um die  Beeinträchtigung des Landschaftsbildabzuschwächen und (Ersatz-)Lebensraum für Bienen und andere Kleintiere zu schaffen?

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