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Natur- und Umweltschutz | 27.06.17

Pestizidausstiegsprogramm für Brandenburg – 50 Prozent weniger Pestizide bis 2023

Benjamin Raschke und Axel Vogel bei der Pressekonferenz, im Hintergund eine Parodie des Bildes "Sonntagsspaziergang" von Carl Spitzweg, parodiert von Sybilla Keitel © Seema Mehta/Fraktion

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, den Einsatz umweltschädlicher Pestizide in Brandenburg bis zum Jahr 2023 um die Hälfte zu reduzieren. Sie fordert die Landesregierung auf, hierfür ein Programm aufzulegen, um die Landwirtschaft beim Ausstieg zu unterstützen. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion für die kommende Landtagssitzung Ende Juni eingebracht.

Kernelemente des geforderten Pestizidausstiegsprogramms sollen demnach Beratungen für Landwirtschaftsbetriebe zu alternativen Schädlingsbekämpfungsmethoden sowie die deutliche Erhöhung der Prämie für die Umstellung auf Ökolandbau sein. Außerdem soll der Einsatz des Breitbandherbizids Glyphosat zur Reifebeschleunigung von Getreide untersagt werden. Schließlich sollen auf landeseigenen Landwirtschaftsflächen keine Pestizide mehr eingesetzt werden.

Dazu sagt BENJAMIN RASCHKE, umwelt- und agrarpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Der bisher betriebene fläckendeckende Einsatz von Pestiziden hat verheerende Folgen: Uns sterben die Bienen, Feldvögel, Hummeln und Schmetterlinge weg. Das Bundesamt für Naturschutz meldete gerade, dass fast keine Tier – und Pflanzenart verschont bleibt. Unsere Gewässer sind belastet – Glyphosat findet sich in vielen Brandenburger Seen & Flüssen. Längst ist das Pestizid auch in der Nahrungskette bei uns angekommen und inzwischen im Urin vieler Menschen nachweisbar. Es reicht! Ganz offenbar reichen die bisherigen Gesetze und Maßnahmen nicht aus. Wir müssen die Landwirtschaft massiv unterstützen, damit wir noch rechtzeitig den Ausstieg schaffen.“

>> Antrag: Menschen, Bienen und Gewässer schützen - ein Pestizidausstiegsprogramm für Brandenburg (pdf-Datei)

Hintergrund:

Mega-Geschäft: Nach der Pflanzenschutzmittel-Erhebung des Landesamts für Umwelt wurden in Brandenburg 2014 mindestens 1067 Tonnen Pflanzenschutzwirkstoffe umgesetzt – Pestizide, die über den Onlinehandel gekauft wurden, sind darin unberücksichtigt.

Europäische Vorbilder: Viele europäische Länder, u.a. Dänemark, haben Aktionspläne beschlossen, um den Pestizideinsatz deutlich zu reduzieren.

Ökolandbau stagniert: Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wurden 2016 ca. 10,5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche von Ökobetrieben bewirtschaftet (137.000 ha). Seit 2013 ist der Öko-Anteil damit nahezu unverändert.

Rote Laterne bei Ökoförderung: Die Umstellungsprämie für Landwirte, die von konventionell auf Bio umstellen wollen, ist in Brandenburg bundesweit am niedrigsten: Pro Hektar Grün- oder Ackerland zahlt Brandenburg 210 Euro, Spitzenreiter NRW zahlt 500 Euro.

Artensterben: Unsere Fraktion erwartet nach der Sommerpause die Antwort auf unsere Große Anfrage zu Entwicklung zur Vogelwelt in Brandenburg. Nach den vorliegenden Zahlen  wurden alleine bis zum Jahr 2009 bei der Hälfte der bewerteten Vogelarten Bestandsrückgänge dokumentiert.

>> Glyphosat überall: Das Landesumweltamt hat 7 Oberflächengewässer beprobt und in vier Glyphosat nachgewiesen, in der Havel südlich von Berlin, im Großen Havelländischen Hauptkanal, im Altzeschdorfer Mühlenfließ und im Welsengraben.

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